Kurz und interessant

= „E-Autos sind ein Problem und nicht die Lösung. E-Autos wie jene von Tesla mögen Begeisterung wecken, ein sinnvoller Beitrag zur Verringerung von Treibhausgasemissionen sind sie nicht. Wenn man alle Energie einberechnet, die es zur Herstellung und Betrieb braucht, schneidet ein Hybridfahrzeug genau so gut ab.“ (NZZ)

= Wir brauchen kein deutsches Europa – sondern ein europäisches Deutschland !

= Noch vor kurzem war Portugal ein Krisenstaat. Heute zieht es junge Kreative aus aller Welt an. Und wer die Heimat verlassen hat, um Arbeit zu finden, kehrt nun mit neuen Ideen zurück.

= Das Hotel „Kölner Hof“ am Frankfurter Hauptbahnhof warb schon vor dem 1. Weltkrieg damit, dass es keine Juden einließ. Auf einem großen Schild am Haupteingang stand: „Juden ist der Eintritt verboten.“

= In der Öffentlichkeit entsteht das verzerrte Bild, dass die Wirtschaft die Politik bestimmt. Die größten Lobbygruppen in Brüssel sind aber nicht die von Unternehmen, sondern Nichtregierungsorganisationen.

= „Europa hat allen Grund, seine historische Besonderheit zu bewahren und zu verteidigen: den Rechtsstaat, Freiheit und Menschenwürde sowie die spezifische Mischung aus Einheit und Vielfalt.“ (Andreas Rödder)

= „Dubiose Geschäfte der Deutschen Umwelthilfe. Kaum jemand wagt es, das Gebahren und die Ziele der Deutschen Umwelthilfe zu hinterfragen – denn wer vorgibt, die Umwelt zu schützen, muss doch per se gut und anständig sein! Was aber, wenn ein Inkassounternehmen dahintersteckt, das lediglich raffiniert getarnt ist? Was, wenn hier verdeckte wirtschaftliche Interessen verfolgt weden? Und wie weit ist es denn noch bis zum „Tugendterror“? (Wirtschaftskurier)

= „Wer eine bessere Welt und mehr Chancengleichheit will, kann nicht gegen Freihandel und Globlisierung sein.“ (Wolf Lotter)

= Hirsche und Rehe vernichten durch Frass und Verbiss bis zu drei Viertel des jungen Laubgehölzes.

= 40.379 Inobhutnahmen wegen akuter Kindeswohlgefährdung meldet das Statistische Bundesamt für ein Jahr. Es handelt sich dabei um sogenannte „vorläufige Schutzmaßnahmen“. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind nicht mitgezählt.

Fünf Milliarden Euro kostet die Unterbringung von Kindern in staatlichen Heimen pro Jahr. Hinzu kommen hunderte Millionen Euro für die Aufnahme von gefährdeten Kindern in Pflegefamilien.

= „Könnten wir nicht ohne Rückgriff auf den unsichtbaren, verborgenen Gott das Glaubensgeschehen an dem Weisheitslehrer, Heiler, Nothelfer, Begleiter und Tröster Jesus, dem Genie des Herzens und der Hingabe (Goethe), festmachen?“ (Ulrich von den Steinen)

= Nichts beweist besser als der Medizin-Nobelpreis, weshalb Krebs nicht ohne Labortiere besiegt werden kann. Sonst bleibt nur der Menschenversuch.

 

I s l a m

Wer weiterhin das Märchen von der islamischen Toleranz verbreitet, behindert die muslimischen Intellektuellen, die ernsthaft an jener Reform des Islam arbeiten, die im 19. Jahrhundert so erfolgversprechend begann. Gelänge es den Reformern, den Islam radikal zu entpolitisieren, dann könnten die Muslime zu wirklichen Bürgern in ihren Staaten werden. Übrig bliebe jene spirituelle Religion, die nicht nur Goethe fasziniert hat. Hegel nannte den Islam die Religion der Erhabenheit.

Auch Ägyptens Staatschef al Sisi spricht von einem modernen, aufgeklärten Reformislam.

Die Realität sieht (noch) anders aus. Die Scharia, das heilige Gesetz, ist nicht vom Glauben zu lösen und der Islam soll sich in alles einmischen – in die Politik, die Wirtschaft, die Ehe, das Essen, die Beerdigungen usw. Der Prophet hat Härte und Barmherzigkeit verkörpert, wobei die Barmherzigkeit stets der islamischen Gemeinschaft zuteil wird und die Härte für die Ungläubigen reserviert ist. „Das Eigentum der Ungläubigen ist antastbar und ein Friedensschluss mit ihnen ist verboten.“ (Al-Fazazi)

In Rotterdam wurde die größte Moschee Westeuropas eröffnet. Dort müssen die Frauen über ein Loch in der Wand dem Gebet des Imams zuhören.

Der Glaube an den unmittelbar göttlichen Ursprung des Koran verbietet es, nach Quellen des Koran oder nach einer historischen Entwicklung des Textes zu suchen.

Die gesamte christlich geprägte westliche Welt, einschließlich ihres Papstes, traut sich nicht, die ihren Wertvorstellungen konträren Korantexte zu benennen und abzulehnen, obwohl sie klar erkennbar die Ursache der bestehenden Verschiedenartigkeiten sind.

Wo in der islamischen Welt könnte eine Frau mit Aussicht auf Erfolg gegen einen Mann klagen, der sie übel beschimpft und beleidigt hat? Und wo in der islamischen Welt müssen Frauenmörder mit der Höchststrafe rechnen?

Im Koran steht ausdrücklich, dass die Männer eine Stufe über den Frauen stehen (Paret 2/228, 4/34). Als Zeuge gilt ein Mann so viel wie zwei Frauen (Paret 2/282) und bei der Erbteilung kommt auf ein Kind männlichen Geschlechts geleich viel wie auf zwei weiblichen Geschlechts (Paret 4/11 u. 176). „Und wenn ihr fürchtet, daß Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.“ (Paret 4/34).

Eine Reihe von Vorschlägen, mit denen der in Belgien praktizierte Islam stärker den belgischen Werten verpflichtet werden soll: Die Liste aus der Feder gläubiger Muslime liest sich wie der Aufruf zu einer kleinen Revolution. Innerhalb von fünf Jahren sollen sämtliche Moscheen auf der Basis eines Katalogs, der ihre Rechte und Pflichten festschreibt, eine Anerkennung vom Staat benötigen und Imame, die einen akademischen Abschluss besitzen, ihre Freitagspredigten in der Landessprache halten.

Einerseits steht im Koran: „Diejenigen, die dem Judentum angehören und die Christen, die an Gott und den jüngsten Tag glauben und tun, was recht ist, denen steht bei ihrem Herrn ihr Lohn zu, und sie brauchen keine Angst zu haben.“ (Paret 2/62) Andererseits gibt es viele Verse, die Juden und Christen angreifen: „Und als zu den Juden ein Buch von Allah kam, da verleugneten sie es. Drum Allahs Fluch auf die Ungläubigen (Henning 2/83).“ „Der Prophet und diejenigen, die glauben, dürfen nicht für die Heiden um Vergebung bitten – auch wenn es Verwandte sein sollten.“ (Paret 9/113)

Ein Beispiel (von vielen) für jenseitige Strafen: „Diejenigen, die nicht an unsere Zeichen glauben, werden wir im Feuer schmoren lassen. So oft ihre Haut gar ist, tauschen wir ihnen eine andere ein, damit sie die Strafe zu spüren bekommen.“ (Paret 4/56)

Die wenigsten Menschen haben die Schriften ihrer eigenen Religion gelesen. Darin unterscheiden sich die Muslime nicht von anderen Religonsgemeinschaften. Dieser Umstand führt dazu, dass die meisten Muslime ungefähr das Gleiche glauben wie fast alle Menschen, die religiös erzogen wurden, nämlich dass es einen lieben Gott gibt, dass dieser alle Menschen liebt und das man deshalb seinen Nächsten auch lieben soll. Schwieriger wird es für jene Muslime, die in der Schrift Orientierung suchen und sich in den Koran vertiefen.

M. Ghandi: „Religion kann nur durch die Reinheit ihrer Anhänger und durch ihre guten Taten verteidigt werden, keinesfalls durch den Kampf mit den Anhängern anderer Glaubensbekenntnisse.“

 

„Kein Erbarmen im Land der Unfreien“

Alice Goffman erzählt in ihrem preisgekrönten Bericht vom Leben der armen Nordamerikaner in einer Welt des dauernden Kriegszustandes. Auszüge aus einer FAZ-Buchkritik:

„In den Gettos amerikanischer Großstädte hat sich längst eine Parallelgesellschaft armer, marginalisierter und entrechteter Minderheiten gebildet, unter denen die Schwarzen einen traurigen Spitzenrang einnehmen.“

„Tatsächlich besteht das Leben dieser jungen Männer – junge Frauen kommen hier nur als minderjährige Mütter, als Sexualobjekte oder als treulose Verräterinnen vor – fast ausschließlich darin, sich dem polizeilichen Zugriff zu entziehen. Ansonsten bestimmen Drogenkriminalität und Gewalt ihr Leben, wenn sie nicht die Zeit mit Würfeln oder Videospielen totschlagen. Eine Zukunft jenseits dieser Leere kennen sie nicht.

Umgekehrt beschreibt Goffman eindringlich die latente Gefahr, die von einem Polizeisystem ausgeht, das in einem kiffenden weißen Studenten an einer Elite-Uni den künftigen Anwalt, Unternehmer und Politiker wahrnimmt, im kiffenden schwarzen Jugendlichen aber den Schwerverbrecher von übermorgen. Schwarze werden auf offener Straße zusammengeschlagen, Wohnungen von Zugriffskommandos verschiedener Polizeidienststellen verwüstet. Selbst Goffman gerät einmal in die Mühlen des Apparats und wird grob misshandelt. Über allem aber schweben die Polizeihubschrauber und beobachten eine abgeschlossene Welt. Dieses System, das als Krieg gegen Drogen und Kriminalität daherkommt und sich in der weißen Mittelklasse vieler Anhänger erfreut, kennt kein Erbarmen selbst gegenüber Kleindelikten, sondern setzt, indem es rücksichtslos gegen alle Verdächtigen aus den Unterklassen vorgeht, einen kaum zu unterbrechenden Kreislauf von Verbrechen, Verfolgung und Haft in Gang, der durch die alles beherrschende Armut nicht besser wird.

Niemandem kommt es dabei in den Sinn, die sozialen und kulturellen Ursachen von Gewaltverbrechen zu benennen, geschweige denn, diese tödliche Spirale zu unterbrechen, weil es die Politik Wählerstimmen und die Polizei und Gefängnisverwaltung Jobs kosten würde. Wer aber einmal im System ist, dem wird jedes Entkommen verstellt. Gleichwohl ergeht sich Goffman nicht in mitleidigem Gutmenschentum. Sie weist auf Erfolgsgeschichten inmitten des Chaos hin, Menschen, denen es gelingt, sich konsequent von jeglicher Kleinkriminalität fernzuhalten.

Worin aber liegen die Unterschiede zwischen diesem resistenten Personenkreis und jenen, die im Sumpf der Kriminalität und Unterdrückung untergehen?“

 
 
 

Fußball – Fetischist

Ich bin völlig verzweifelt !! Die Bundesligavereine können es sich aus finanziellen Gründen nicht leisten, in die neue Saison mit Geisterspielen zu beginnen. Also wird man sich auf einen späten Saisonstart einigen und der wird frühestens Ende September sein ! Drei Monate ohne Bundesligafußball – das geht nicht ! Das überleben wir nicht ! Oder wir landen im Gefängnis, weil wir wegen der Corona-Einsamkeit und der Fußball-Abstinenz gewalttätig geworden sind. Drogen kommen nicht in Frage und Frauengeschichten kann ich nicht riskieren, weil meine Gattin mir dann kündigen würde und ich ohne ihre Kochkünste verhungern müsste.

Ich schaue in mein Fußball-Archiv, um mich mit einigen alten Geschichten abzulenken. Aber wie der Teufel es will, gerate ich zuerst an all die erfundenen oder hochgepushten Football-Leaks-Storys. Millionen haben der SPIEGEL und andere Medien dafür ausgegeben, um Spielern, Beratern und Vereinen in Europa Geldwäsche, Korruption und Bestechung nachzuweisen; bewiesen wurde so gut wie nichts – also mussten die Herrschaften mit Viertelwahrheiten und unbewiesenen Verdächtigungen versuchen, ein paar Leser zu gewinnen. Das hört sich dann so an:

„Football Leaks. Für Profispieler und ihre Berater wird es nun ernst: Eine französische Spezialbehörde ermittelt wegen des Verdachts der Geldwäsche.“

„Die Lebenswelten von Berufsfußballern und ihren Fans driften immer weiter auseinander. Das SPIEGEL-Buch „Football Leaks“ ist erschienen, das wieder für Unruhe in der Profibranche sorgt.“

„Dass dieses System Profifußball krank ist, habe ich schon länger geahnt. Das es so schlimm ist, konnte ich mir nicht vorstellen.“

Die Süddeutsche Zeitung hat immer noch Magengeschwüre wegen der zu hohen Spielergehälter und fahndet unverdrossen seit zwanzig Jahren nach Beweisen für Doping im Fußball und die WELT hat doch tatsächlich einen leibhaftigen „Sport-Philosophen“ gefunden, der vor zwei Wochen eine ganze Seite mit seinem Müll füllte; z.B.: „Es geht beim modernen Fußball nicht mehr um ein Verständnis des Spiels, wie es etwa die alten Griechen noch hatten, nämlich das Spiel um des Spielens willen zu betreiben. Es geht fast nur noch um Gewinnmaximierung.“

An den Hoyzer-Skandal möchte ich kurz erinnern – es ging um Bestechung und Betrug. Damals war ich beim FCA, bei dem der sympatische Andre Hofschneider spielte. Hofschneider war von Berliner Zeitungen beschuldigt worden „in das Visier der Ermittlungen“ geraten zu sein und ließ sich von der Staatsanwaltschaft bestätigen, dass nicht gegen ihn ermitelt wurde (siehe folgenden Brief).

Spontan habe ich entschieden, diesen ganzen Schrott zu entsorgen und keine Leaks-Geschichten oder andere Märchen mehr zur Kenntnis zu nehmen. Dafür ist das Leben zu kurz. Deshalb noch ein paar positive Erinnerungen:

Während des Revierderbys 1969/1970 in Dortmund wurde der Schalker Friedel Rausch vom Schäferhund Rex gleich zweimal in den Allerwertesten gebissen. Dass Rausch weiterspielen konnte, hatte er einer vom Mannschaftsarzt mitleidslos verabreichten Tetanusspritze zu verdanken. Hinterher plagten Rausch nicht nur Schmerzen im Hintern, sondern auch die dämlichen Kommentare der Kollegen. Die so: „Stell dir vor, der Hund hätte dich vorne gebissen.“ Er so: „Dann hätte der Köter seine Zähne verloren.“

„Zum Glück ist die Mannschaft nach dem Spiel besser ins Spiel gekommen.“ (Andy Brehme)

Der Historiker Ian Kershaw hatte mit einer großen Kraftanstrengung seine 2000seitige Hitler-Biographie vollendet. „Wir haben Sie das nur durchgehalten?“ wurde er gefragt. Kershaw: „Um den Schlaf bringt es mich nur, wenn Manchester United verliert.“

Bundespräsident Steinmeier spielte ab 11 Jahren Fußball in den Jugendmannschaften seines Heimatortes Brakelsiek.

Für den Sternekoch Tim Raue war Fußball Fluchthilfe vor seinem gewalttätigen Vater.

Das Gefängnis in Uganda ist mit über 3000 Männern völlig überfüllt. Weil sie eine eigene Fußball-Liga organisiert haben, kommen die Männer fast gewaltfrei miteinander aus.

Neulich gehört: Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, weil ich es dann am meisten brauche.

Auf den Fußball übertragen: Unterstütze mich, wenn ich erfolglos bin, weil ich es dann am meisten brauche.

 

Wir wollen die „Vereinigten Staaten von Europa“ !!!!!

Helmut Schmidt: „Wir Europäer können im globalisierten Weltgefüge nur gemeinsam bestehen, nur gemeinsam werden wir unsere Werte von Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit behaupten. Die europäische Integration ist im ureigenen deutschen Interesse, sie ist im Interesse aller europäischen Völker. Deshalb müssen wir für Europa kämpfen. Mit Herz, Verstand und mit dem notwendigen R e s p e k t voreinander.“

Richard v. Weizsäcker: „Wir müssen lernen, europäisch zu denken und zu handeln. Europa ist vollkommen u n v e r m e i d l i c h . Wir werden in Zukunft noch weniger ohne Europa auskommen, als wir das in der Vergangenheit getan haben.“

Antonio Tajani: „Europa ist eine Erfolgsgeschichte: Es ist ein Traum von Fortschritt, Wohlstand, Freiheit und Frieden, der Wirklichkeit geworden ist. Ich glaube nicht, dass wir Europäer das Träumen verlernt haben. Wir müssen in den Menschen wieder die Begeisterung für Europa entfachen und das Gefühl wecken, Teil dieses großen Projektes zu sein. Es gibt kein besseres Erbe, das wir den künftigen Generationen hinterlassen können.“

Imre Kértesz: „Eine Zivilisation, die ihre Werte nicht deutlich erklärt oder ihre erklärten Werte im Stich lässt, geht den Weg des Verfalls, der Altersschwäche. Dann werden bald andere diese Werte verkünden und in den Mündern dieser anderen werden sie nicht mehr Werte sein, sondern Vorwände zu uneingeschränkter Macht und uneingeschränkter Zerstörung. Wir sind uns selbst überlassen, weder himmlische noch irdische Wegweiser leiten uns; wir müssen uns unsere Werte selbst schaffen, Tag für Tag, durch jenes ausdauernde, obzwar unsichtbare Werken, das solche Werte schließlich ans Tageslicht bringt und zu einer neuen europäischen Kultur zu weihen vermag. Denke ich an das künftige Europa, stelle ich mir ein starkes, selbstsicheres Europa vor, eines, das immer zu verhandeln bereit, doch nie opportunistisch ist.“

„Die beste Begründung für die Existenz der Europäischen Union besteht neben der Sicherung des Friedens in Europa darin, das sie als Versicherungsmechanismus für Mitglieder fungiert, die sich mit unerwarteten Schwierigkeiten konfrontiert sehen, ob als Folge der Finanzkrise oder der Flüchtlingskrise.“ (Fundstück)

Lars Meinhardt: „Zu Europa hat kleinmütige Krittelei Einzug in unser Denken gehalten. Prüfen Sie sich selbst: Wann haben Sie das letzte Mal etwas Positives über die Europäische Union gesagt? Stattdessen mokieren wir uns über EU-Vorgaben zum Krümmungsradius der Grüngurke. Und wenn wir die Europäische Union meinen, dann reden wir abschätzig von „Brüssel“. Wenn es um die EU geht, dann sind wir alle Hypochonder. Wir sehen und reden nur über die Krankheiten im System und angeblich überbordende Bürokratie. Menschengemachte Institutionen sind niemals perfekt. Man lebt mit ihren Unvollkommenheiten. Und dort, wo es besonders stört, versucht der verständige Bürger, mit den ihm gegebenen Mitteln abzuhelfen (Meinungskundgabe, Demonstrationen, passives Wahlrecht). Niemand, der recht bei Trost ist, wird das „Kind mit dem Bade ausschütten“. Es ist Europas einziges Kind. Ein weiteres wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Behüten wir es gut !“

Timothy Garton Ash: „Europa ist dazu verdammt, immerfort zu w e r d e n und niemals zu s e i n . Aber das muss nicht unbedingt ein Fluch, es kann auch ein Segen sein. Wenn man etwas älter ist, sieht man, dass die Jahre des Werdens oft die schönsten Jahre des Lebens sind.“

Bono: „Ich liebe diese Unterschiede: unsere Dialekte, unsere Traditionen, unsere Besonderheiten, sich überlagernde Identitäten, irisch und europäisch zu sein, deutsch und europäisch – nicht Entweder-Oder. „Europa ist die große Idee des 21. Jahrhunderts.“ (Simone Veil). Diese Idee von Europa verdient, dass Lieder darüber geschrieben und leuchtend blaue Flaggen dafür geschwenkt werden. Um in diesen schwierigen Zeiten zu bestehen, muss Europa von einem Gedanken zu einem Gefühl werden.“

Propst Paul Jakobi: „Immer werden die Europäischen Staaten in den wirtschaftlichen, bildungspolitischen, ökologischen und ethischen Fragen um die richtige Blance mit Brüssel ringen müssen. Aber über allem steht die Sorge um den Frieden, der das Fundament für das menschliche Zusammenleben ist. Die Bewahrung des Friedens ist die leitende Idee für die Einheit Europas.“

Carl Bildt: „Die meisten Grenzen Europas wurden mit Blut gezogen, im Laufe von Jahrhunderten brutaler Konflikte, ethnischer Säuberungen und Bevölkerungsbewegungen. Es ist entscheidend für unsere Zukunft, dass wir in der EU zusammenhalten, um diese Herausforderungen zu meistern. Der Zusammenhalt unserer Union ist der Schlüssel zu Frieden und Stabilität in Europa.“

In den nächsten Wochen werden von Europas Regierungen wichtige Weichen für die gemeinsame Zukunft gestellt. Wenn Europa noch stärker wird und noch mehr zusammenrückt, dann wird das der Weltmacht Nr. Eins nicht gefallen.

Präsident Trump droht offen mit dem Ende der Nato; er will es nicht mit einer Union von 28 Staaten zu tun haben, einer anderen Wirtschaftssupermacht. Mister Trump will unsere Union zerschlagen, um dann die einzelnen Länder als Dienstbotenstaaten zu behandeln und die Macht der USA auf Europa auszudehnen. Also müssen die Kräfte des Multilateralismus, die internationale Ordnung, die Nato, die Europäische Union, die Vereinten Nationen oder die G7 geschwächt oder zerstört werden. Deshalb wollte Mister Trump den Brexit und schlug Macron einen „Frexit“ vor. Ganz nach dem Motto: Teile und herrsche !

Für uns Europäer stellt sich j e t z t die Frage nach unserer Unabhängigkeit und nach unserem Selbstbestimmungsrecht !!

Lasst uns die „Vereinigten Staaten von Europa“ realisieren und mit allen Ländern der Welt – auch mit den USA – friedlich und konstruktiv zusammenleben.

 

Die schlimmste Mischung: Ignoranz plus Arroganz plus Eitelkeit.

Nach der Finanz- und Eurokrise standen einige südeuropäische Länder vor allem wegen ihrer extrem hohen Verschuldung vor dem Bankrott. Die EU-Länder verweigerten diesen Ländern einen Schuldenschnitt und gewährten zinsgünstige Kreditabsicherungen unter der Voraussetzung, dass die betroffenen Länder wirksame Reformen umsetzen.

Wie wir heute wissen, hat das z.B. in Portugal und Griechenland funktioniert. Im Jahr 2016 hat Griechenland einen Haushaltsüberschuss erzielt !!

Damals wurde die EU und vor allem Deutschland wegen des verweigerten Schuldenschnitts von den üblichen Experten-Nieten angepöbelt – vom Philosophen Habermas bis zum amerikanischen Welt-Ökonomen Krugmann und zum Nobelpreisträger Stiglitz u.v.a.m. Zwei Experten möchten wir zitieren:

  • Professor Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance im März 2016: „Der Euro ist gescheitert und inhärent instabil.“
  • Der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg darf in der S.Z. absondern: „Der Euro wird zusammenbrechen. Es gibt Parallelen zu den Währungsreformen 1923 und 1948. Bürger sollten auf hohe Inflation gefasst sein.“ (Der Herr heißt Homburg und nicht Humbug)

Merkel wurde mit Hitlerbärtchen in den Medien diffamiert und Schäuble war der wahre Schuldige, obwohl alle EU-Länder diese Entscheidungen mitgetragen haben. (Vom grünen Europaparlamentarier Bütikofer kam der widerlichste Kommentar: „Der herzlose, herrische und hässliche Deutsche hat wieder ein Gesicht, und das ist das von Schäuble.“) In jeder deutschen Talk-Show wurde der griechische Finanzminister Varoufakis für sein Geschwätz angehimmelt.

Der Leader in dieser Ignoranz-Mafia war allerdings ein gewisser Jakob Augstein, der auf SPIEGELONLINE schrieb:

  • Nicht Griechenland ist das Problem, sondern Deutschland. Denn das rigide Spardiktat der Kanzlerin hat die Griechen in die Rezession gestürzt. Die griechische Selbstmordrate ist seit dem Beginn der Krise gestiegen.
  • Angela Merkel hat Griechenland in eine Rezession gestürzt, die schlimmer ist als die berüchtigte Große Depression der USA.
  • Es sollte den Deutschen, der Amerika-Freundin Merkel zumal, zu denken geben, dass man ihren volkswirtschaftlichen Dogmatismus von der anderen Seite des Atlantik aus nur mit Kopfschütteln quittiert.
  • Der Schuldenschnitt muss kommen.

Der seriöse und kompetente Chef des ESM-Rettungs-Fonds, Klaus Regling, hat wesentlich dazu beigetragen, die Währungsunion wetterfester zu machen und damals festgestellt, dass die Eurokrise vorbei ist und dass auch Griechenland es schaffen kann. Regling: „Nun gilt es, die Währungsunion zu stärken, etwa mit einem Budget gegen Schocks, einer gemeinsamen Zusatz-Arbeitslosenkasse und einem Euro-Währungsfonds.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrer Null-Zins-Politik die Rettung des Euro und der Europäischen Union überhaupt erst möglich gemacht. Seit 2008 haben die Länder des Euroraums über eine Billion (!!!) Euro an Zinsen eingespart. Auch Deutschland profitierte mit Zins-Ersparnissen von weit über 100 Milliarden Euro; das führte zur Schwarzen Null und die wiederum ermöglicht uns heute hohe Investitionen wegen der Corona-Krise.

 
 
 

Pflichtlektüre für politisch interessierte Menschen !

„Als Europäer in Nordamerika landeten, trafen sie auf Millionen Indianer, die zu zahlreichen Stämmen verbunden, verstreut in einem riesigen Land lebten. Die Europäer wollten etwas haben, das ihnen nicht gehörte.

Als die Staaten die Geschichte offiziell in die Hand nahmen und es darum ging, Kolonien zu bilden, erklärten sie Land, das ihnen nicht gehörte und das sie in einem unmittelbaren Sinne gar nicht brauchten, zu ihrem Besitz.

Von dieser Katstrophe, die über Jahrhunderte hinweg forciert wurde, handelt das Buch des Luzerner Historikers Aram Mattioli. Sentimental ist es nie, nur traurig und empörend und erhellend. Die nüchterne Erzählung, die den Zeitläufen folgt, macht klar, dass die Siedler nur eine von materieller Not und dem unchristlichen Streben nach Glück getragene Menge von Einzeltätern waren, die sich nahmen, was sie brauchten.

Erst der Staat, der Kolonien gründete, und dann die Kolonien, die sich zu einem unabhängigen Staat erklärten, gaben der Ausrottung der Indianer eine rechtliche, vom Staat legitimierte und getragene Fassung. Der christliche, zivilisierte europäische Rassismus war die Grundlage der kommenden Blüte der modernen Welt: Nordamerika.

Ein großer Teil der Indianer ist schon vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung an den von den Europäern eingeführten Krankheiten wie Pocken, Masern, Diphterie zugrunde gegangen.

Das junge Nordamerika, eine spezifische Mischung aus Macht, Politik und Mentalität, die erfolgreich zeigte, was in ihr steckte, war rassistisch, rücksichtslos, gierig, hochmütig, gewalttätig und verlogen. Die Indianer, die wie neben der Zeit existiert hatten, wurden in dieses Desaster hineingezogen und kamen darin um.

Nordamerika, Europas Neugeburt, wurde immer größer und mächtiger. Aber wenn eine Sache so schlecht begonnen hat, kann sie dann gut enden? (Eberhard Rathgeb) Aram Mattioli: „Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910“. Klett-Cotta-Verlag.

 

Kurz und interessant

= Das Bundesland Bremen ist mit 65 Prozent vom Bruttosozialprodukt verschuldet. Alle Bundesländer zusammen haben einen Verschuldungsgrad von 17 Prozent. Seit dem Jahr 2007 haben alle Bundesländer zusammen ihre Verschuldung um 6,5 Prozent erhöht; Bremen hat seine Verschuldung in der gleichen Zeit um fast 50 Prozent erhöht.

Von dieser gefährlichen Entwicklung muss der Bremer Bürgermeister Bovenschulte irgendwie ablenken. Zunächst versucht er (vergeblich) die Polizeikosten für Bundesligaspiele auf Werder Bremen abzuwälzen. Jetzt lenkt er von seiner krassen Inkompetenz ab, indem er die DFL als „seelenlosen Machtaparat“ bezeichnet, der „seine Interessen gnadenlos durchsetzt“.

Könnte es sein, dass Werder Bremen durch die seriös und kompetent ausgehandelten Fernsehverträge der DFL schon mehrere hundert Millionen Euro erhalten hat ?

= Der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio schreibt, dass die Gesellschaft der Gegenwart volatiler wird; sie verliert an Gewissheiten, ohne bereits neue an die Stelle setzen zu können. „Wir haben einen Verlust von Orientierung stiftenden Gemeinschaftskräften wie Familien, Kirchen, Parteien oder Vereine.“

= Sprachwissenschaftler streiten über den Ursprung des Deutschen. Haben afrikanische Händler ihre Sprache und Schrift an die Nordseeküste gebracht? (FAZ)

= „Von den Juden und ihren Lügen. Die Juden sind unser Unglück. Ein solch verzweifelt, durchböset, durchgifftet, durchteufelt ding ists umb diese Jüden, so diese 1400 jar unser plage, pestilenz und alles unglück gewest, und noch sind.“ (Martin Lutter)

= Die Anti-China-Propaganda des von Amerikanern aufgekauften Springer-Konzerns geht weiter. Die WELT a.S. (21.6.2010) widmet wieder eine ganze Seite dem China-Bashing und titelt „Gefährliche Dreiecksbeziehung. Der Grenzkonflikt zwischen Indien und China ist eskaliert. In dem Gebiet stehen sich zudem mit Pakistan drei von Populisten geführte Atommächte gegenüber – ohne Sicherheitsplan.“

Am 21.6.2010 war der Konflikt, bei dem sich indische und chinesische Grenzsoldaten körperlich attackierten, schon von höchster Stelle beigelegt.

= Der Zwangsfernsehsender ZDF bietet am 20. Juni 2020 folgendes Programm an: Von 10.30 morgens bis 3.50 nachts neun Thriller, Krimis und Horrorfilme. ZDF Neo bringt fast ausschließlich Krimis.

= Die USA sind kein Vertragsstaat des Internationalen Strafgerichtshofs, der jetzt Ermittlungsverfahren zu Kriegsverbrechen in Afghanistan eingeleitet hat. Mister Trump genehmigt Sanktionen gegen Mitarbeiter des Strafgerichtshofs, die gegen US-Sicherheitskräfte ermitteln oder diese strafrechtlich verfolgen.

= Am 23. März 1933 tagte der deutsche Reichstag, um über das sogenannte Ermächtigungsgesetz abzustimmen. N u r die Sozialdemokraten stimmten gegen dieses Gesetz, das die Nazi-Dktatur einleitete.

= Gina Lückenkemper, Vize-Europameisterin im 100-Meter-Lauf über ihre Schulzeit: „Schule müsste mehr Themen im Unterricht behandeln, die wir im späteren Leben brauchen. Z.B. ein Kurs „Alles rund um das Thema Steuern“. Und: „Alles, was mit Geschichte zu tun hatte, war für mich in der Schule extrem spannend. Und das ist immer noch so. Ich bin ein großer Geschichtsfan.“ (S.Z.)

= Das rechte Hetzblatt „Compact“ schreibt zu der Randale in Stuttgart: „Eine Migrantenarmee hat die Stuttgarter Innenstadt in Schutt und Asche gelegt.“

= Teil der katholischen Messe ist die „Eucharistie“. Was ist das ? Bei Google finde ich ausführliche Erläuterungen, die ich aber nicht verstehe.

= „Je mehr Ge- und Verbote es gibt, desto mehr schwillt auch die Bürokratie an, die der Gesetzeswut nicht Herr werden kann. Defizite im Gesetzesvollzug schwächen wiederum das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaats. Der Rechtsstaat darf sich durch Umweltaktivisten auch in dieser Hinsicht nicht auf eine falsche Fährte locken lassen.“ (Fundstück)

 

Müssen wir uns Sorgen machen ?

Vor ein paar Tagen hat eine Umfrage ergeben, dass über 50 Prozent der Deutschen überzeugt sind, dass unsere Politiker keinen guten Job machen. Wenn man bedenkt, dass sich unser Land noch vor 70 Jahren am moralischen und wirtschaftlichen Tiefpunkt seiner Geschichte befand und heute zu den erfolgreichsten Ländern der Welt gehört – dann ist das Ergebnis dieser Umfrage erstaunlich. Natürlich haben Arbeiter und Architekten unsere Häuser gebaut und kreative Wissenschaftler Patente entwickelt und begabte Unternehmer ihre Firmen erfolgreich entwickelt usw. usw.

Aber das alles war nur möglich auf der Grundlage politischer Entscheidungsprozesse, die in der Summe einen großen Anteil an unserem Wohlstand und an unserer Sicherheit und an unserem Sozialstaat haben.

Politische Arbeit ist frustrierend, weil bei fast jeder Entscheidung Pro- und Contra-Argumente abzuwägen sind und weil die diversen gesellschaftlichen Kräfte natürlich immer nur ihre eigenen Argumente propagieren und weil die meisten Medien nur knackigen SchwarzWeiß-Journalismus praktizieren – soll heißen: Alle politischen Entscheidungen sind falsch. Das kostet nicht viel Aufwand und findet – wie o.g. Umfrage beweist – die meisten Leser.

Aber weil gedruckte Medien wegen des Internets unter großem wirtschaftlichen Druck stehen, muss die Kritik an der Politik noch aggressiver und primitiver ausfallen, damit sie sich verkauft. Ein paar Beispiele:

  • Das Handelsblatt war vor vielen Jahren eine ziemlich kompetente und in Sachen Politiker-Schmäh zurückhaltende Zeitung. Die Auflage geht deutlich zurück. Also muss das Hetz-Niveau der Bild-Zeitung unterboten werden. Die folgende Schlagzeile muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „Konzernzentrale Reichstag. Hilfskredite, stille Beteiligungen, Kurzarbeitergeld: Der Staat greift bei der Bekämpfung des Coronavirus in einem nie da gewesenen Maß in Wirtschaft und Unternehmen ein. Die Rettungspolitik führt zu Fehlentwicklungen, Betrügereien und Belastungen für die nächsten Generationen.“ Abgesehen von dem widerlichen Begriff „Reichstag“: Die Gewerkschaften und Unternehmerverbände waren in die Entscheidungen des Wirtschafts- und Finanzministers eingebunden.
  • Der Chef-Hetzer Tiedje schreibt in „Euro am Sonntag“ zum 750-Milliarden-EU-Wirtschaftsprogramm: „Was nutzt es dem deutschen Volk, wenn die Corona-gebeutelten Italiener mit derartigen Hilfsgeldern ihre Schrott-Airline Alitalia retten? Warum erklären Merkel & Co. den Deutschen die Zusammenhänge nicht? Wenn der deutsche Rentner/Sparer/Steuerzahler weiß, wie führende Politiker sein Geld verschenken, wird er seine Schlüsse daraus ziehen.“
  • Nochmal das Handelsblatt mit einer Schlagzeile, die kein Leser versteht: „Die Rückkehr der Vulgär-Keynesianer“ und der Feststellung: „Die Schuldendebatte entgleist. Die Politik kalkuliert mit langfristig niedrigen Zinsen. Das ist fahrlässig.“ Nachdem die Regierung jahrelang wegen der Schwarzen Null kritisiert wurde („Investieren statt sparen“) ist jetzt das Gegenteil richtig.
  • Nach langen und schwierigen Verhandlungen hat die Bundesregierung den Kohle-Ausstiegsvertrag mit den Kraftwerksbetreibern gebilligt. Schwierig deshalb, weil unterschiedliche Interessen von Arbeitnehmern, Eigentümern, Bundesländern, Steuerzahlern und Umweltschützern zu berücksichtigen waren. Die Schlagzeile zu diesem Thema lautet in der Süddeutschen Zeitung: „Kohle für die Konzerne“.

Weniger als vier Prozent der Deutschen sind Mitglied einer politischen Partei und fast 50 Prozent der Wahlberechtigten wählen nicht oder wählen eine radikale Partei.


 

G e d i c h t e

Peter Hacks: Zum ersten Mai

Ich mag einmal nicht klassenkämpfen, das soll man im November tun. Ich will zum Lied die Leier dämpfen und waldwärts ziehn auf Flügelschuhn.

Da wohnt der Mai auf einer Wiese. Und Birken stehen. Und der Wind ist lau, als wenn er gar nicht bliese. Und jeder Käfer ist mein Kind.

Doch will mich wer davongehn heißen, weil er der Eigentümer sei, dann werd ich den mit Hölzern schmeißen zum ersten Mai.

Peter Hacks: Flüchtlingskind

Denk ich der Heimat, die ich ließ, o welche Pein! und soch so süß; es ist sentimentaler als Bücher von Courths-Mahler.

Die Heimat ist ein herrlich Land, wie es noch kein Kolumbus fand; mit Bergen und mit Tälern, mit breitern und auch schmälern.

Darin liegt die Heimatstadt, wie man sie nicht gesehen hat; sie ist gemacht aus Häusern, aus kleinern und auch größern.

Vernehm ich dies, so wird euch klar, was ich verlor, und wie es war; daß ihr nicht unbegründet mich voll Betrübnis findet.

Wenn mancher Platz auch reicher wär, die Heimatstadt bleibt singulär: Bedenkt! in ihren Toren bin ich! ich selbst! geboren.

Peter Hacks: Gotisches Bild

In einer Landschaft, die voll runder, bestielter, netter Bäume steht, verharrt ein Mädchen im Gebet und fleht um Wunder.

Ein Blümlein ist bei ihrem Fuße. Halb träumend noch und liebesmatt verübt sie, weil sie Gründe hat, andächtig Buße.

Ganz gleich, was ihr statt jener tätet. Sie tut es schön….wenn man ermißt, wie sehr sie uns sympathisch ist, obwohl sie betet.

Heinrich Heine

Mein Kind, wir waren Kinder, zwei Kinder klein und froh; wir krochen ins Hühnerhäuschen, versteckten uns unter das Stroh.

Wir krähten wie die Hähne, und kamen Leute vorbei – „Kikereküh!“ sie glaubten, es wäre Hahnengeschrei.

Die Kisten auf unserem Hofe, die tapezierten wir aus, und wohnten drin beisammen, und machten ein vornehmes Haus.

Des Nachbars alte Katze kam öfters zum Besuch; wir machten ihr Bückling` und Knickse und Komplimente genug.

Wir haben nach ihrem Befinden besorglich und freundlich gefragt; wir haben seitdem dasselbe mancher alten Katze gesagt.

Wir saßen noch oft und sprachen vernünftig, wie alte Leut`, und klagten, wie alles besser gewesen zu unserer Zeit!

Wie Lieb und Treu und Glauben verschwunden aus der Welt, und wie so teuer der Kaffee und wie so rar das Geld!- – –

Und vorbei sind die Kinderspiele und alles rollt vorbei, – das Geld und die Welt und die Zeiten, und Glauben und Lieb und Treu.

 

Danke Fußball !!!!

Es ist der pure Wahnsinn wie die drei Bundesligen bei Millionen Fans Hoffnungen, Freude und Ängste schüren. Da schießt ein fast schon abgestiegener Club wie Preußen Münster in der 94. (!!!) Minute gegen den direkten Konkurrenten Zwickau das Siegtor und kann sich wieder Hoffnungen auf den Klassenverbleib machen. Kurz vor Ende der Saison haben noch fünf Drittligisten Aufstiegschancen und sechs Clubs kämpfen noch gegen den Abstieg.

In der zweiten Bundesliga lässt der Dorfverein Heidenheim den Millionenclub HSV hinter sich und die Metropole Nürnberg kämpft gegen den Abstieg, der erst am letzten Spieltag entschieden wird.

Und die „großen“ Vereine Düsseldorf und Bremen versuchen mal wieder am letzten Spieltag der ersten Bundesliga den Abstieg zu verhindern, während „kleine“ Clubs wie Mainz und Augsburg ganz cool in ihr zehntes Erstligajahr gehen.

Gibt es noch mehr Spannung ? Millionen Fernsehzuschauer lassen in den Fußballkneipen die Wände zittern oder können zu Hause die Abstandsregel-Langeweile wunderbar neutralisieren.

Und all die Journalisten, die wegen der Geisterspiele oder angeblich zu hoher Gehälter oder aus anderen fadenscheinigen Gründen unseren geliebten Fußball kaputt schreiben wollen, halten jetzt hoffentlich die Klappe.

Der Fußball lebt und begeistert hunderte Millionen Menschen auf der ganzen Welt !!!

 

R e l i g i o n

Ich beneide jeden Menschen, der das Gebot der Nächstenliebe von Jesus Christus befolgt und der andere friedliche Religionen respektiert. Meinen eigenen Glauben kann ich am besten erklären, wenn ich Albert Einstein zitiere:

„Ich denke, dass die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber den Mitmenschen (und allgemein gegenüber den Mitgeschöpfen) der allein wesentliche moralische Inhalt der Religionen ist und zugleich die einzig mögliche Grundlage für ein befriedigendes Dasein vom sozialen Gesichtspunkt. Was den philosophischen Gehalt des Religiösen anlangt, so sollte er weder auf der Autorität menschlicher Organisationen noch auf der von Büchern ruhen, sondern ausschließlich auf einer vertieften Auffassung der erfahrbaren Welt.

Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als getrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist wie ein Gefängnis für uns, das auf unsere eigenen Vorlieben und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschränkt ist.

Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern, bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst.

Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität.

In diesem Sinne bin ich religiös.“

Nach seiner Einstellung zum Christentum befragt, erklärte Einstein, dass er den Talmud und die Bibel studiert hätte und er Jesus Christus verehre. Das Evangelium sei so sehr mit der Persönlichkeit von Jesus Christus verbunden, dass man kaum daran zweifeln könne, dass er wirklich gelebt hat.

Einstein stellt klar, kein Atheist zu sein. Gottes Existenz übersteige jedoch den menschlichen Horizont. So wie ein Kind, das nicht lesen kann, weiß, dass ein Buch tiefes Wissen enthält und eine Bibliothek nach bestimmten Prinzipien geordnet ist, müsse ein intelligenter Mensch beim Blick auf das Universum erkennen, dass hier eine übergeordnete Macht am Werk sei.

Nach seinem Glauben an ein Leben nach dem Tod befragt, antwortete Einstein schlicht, dass seine Lebenszeit für ihn ausreichend sei.“

 

Nur ein Vogelschiss

„Als Stark mit Engelschall vom Block 11 zurückkam, haben sie mit den Häftlingen der SK Sport gemacht. Sie befahlen ihnen, ins Wasser zu springen und wieder herauszukommen. Unter den Juden befand sich einer, Isaak mit Namen, der sehr stark war. Ihm wurde befohlen, die anderen Häftlinge zu ertränken. So sind einige getötet worden. Schließlich befahl man ihm, seinen eigenen Vater zu ertränken. Isaak wurde wahnsinnig und fing zu schreien an. Daraufhin hat Stark Isaak erschossen.“ (Jozef Kral, Obercapo Neubau, Auschwitz)