Gedichte

Peter Maiwald: Kindergeburtstag

Wir hatten alles geregelt. Meine Frau schlief ihren Rausch aus. Ich besorgte die Kuchen und was sonst noch dazugehört. Ich dachte an mein Konto. Dann verbrachten wir Stunden mit Tischdecken, dem Wecken meiner Frau und der Frage, wann das Ganze denn anfängt.

Dann kamen die anderen Kinder und wir hörten nicht mehr hin wenn irgendwo in der Wohnung etwas klirrte. Gegen sechs kamen die Eltern und holten ihre Kinder aus der zertrümmerten Wohnung.

Eine Mutter sprach von dem schweren Los eine Mutter zu sein. Meine Frau trank sich einen Rausch an. Ich brachte die Kinder zu Bett und schlief mit der Mutter die übrigblieb.

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Conrad Ferdinand Meyer. Mit einem Jugendbildnis

Hier – doch keinem darfst du´s zeigen, solche Sanftmut war mir eigen, durfte sie nicht lange behalten, sie verschwand in harten Falten, sichtbar ist sie nur geblieben dir und denen, die mich lieben.

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Ricarda Huch: Nicht alle Schmerzen

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen sich tiefer und tiefer ins Herz hinein, und während Tage und Jahre verstreichen, werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre, sie scheinen zerronnen wie Schaum. Doch du spürst ihre lastende Schwere bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle, die Welt wird ein Blütenmeer. Aber in meinem Herzen ist eine Stelle, da blüht nichts mehr.

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Otto Jägersberg: Liebe

Liebe -ach mehr Liebe. Wie erklär ich das in der Fußgängerzone morgens um zehn. Es ist nicht nur die Lust auf Sie liebe Frau. Es ist mehr – viel mehr. Mehr Liebe bitte.