Frustrierte Aluhut-Träger

Nur einige Verschwörungstheoretiker glauben, dass dieser Aluhut vor Strahlungen und sogar vor fremden Gedanken schützt. Aber alle Demonstranten gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen verbindet ein tief sitzendes Misstrauen (und nicht selten Hass) gegen die Politiker – gegen „die da oben, die wegmüssen“.

Okay! Wenn die da oben wegmüssen, dann habe ich in einer parlamentarischen Demokratie mit einem sattelfesten Grundgesetz die Möglichkeit, eine Partei zu gründen oder einer Partei beizutreten und für Mehrheiten zu kämpfen; dann können die da oben abgewählt werden. Aber dieser Weg ist natürlich mit politischem Wissen und extrem viel Geduld und Arbeit verbunden. Kaum jemand ist dazu noch bereit und die Corona-Leugner schon mal gar nicht.

Irritierend an dieser antidemokratischen Bewegung ist, dass auch gebildete Leute dazugehören. Die in der DDR aufgewachsene Monika Maron war eine erfolgreiche Schriftstellerin; jetzt wird sie von einer krankhaften Selbstgerechtigkeit und von Ressentiments angetrieben; sie behauptet allen Ernstes, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland heute so eingeschränkt ist, wie seiner Zeit in der DDR. Und es gibt tausende Marons in Deutschland.

Die Coronakrise wird hoffentlich in sechs oder zwölf Monaten bewältigt sein und die ganze Welt wird sich auf zukünftige Epidemien viel besser vorbereiten. Das wird aber die frustrierten Demokratie-Verächter nicht davon abhalten, sich bei jeder willkommenen Gelegenheit erneut in Szene zu setzen; wenn eine solche Gelegenheit mit einer massiven Wirtschaftskrise und z.B. zehn Millionen Arbeitslosen einhergeht, dann kann unsere Demokratie und unser Rechtsstaat schnell auf der Verliererseite stehen. Mit welchen Folgen?

Wir müssen unsere demokratischen Parteien und die gewählten Politiker viel mehr unterstützen ! Wir müssen Mitglieder bei der CDU/CSU, bei der SPD, bei der FDP oder bei den Grünen werden und wir müssen unsere Kinder und Enkel auch dazu motivieren!

Meine Ängste verflüchtigen sich, wenn ich an die wirtschaftlich und politisch immer stabiler werdende Euopäische Union denke. Das ist unsere Zukunft !!!

(Und es kotzt mich an, wenn ein arroganter und ignoranter „Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft“ (Felbermayr) in einer deutschen Tageszeitung auf dem Niveau der Verschwörungstheoretiker folgendes absondern darf: „Weiterwursteln lautet das ungeschriebene Bauprinzip der Europäischen Union. Die jüngsten Gipfelbeschlüsse haben daran nichts geändert.“)

 

Langfristig sparen mit ETF

Trotz der Corona-Krise und trotz Herrn Trump und trotz der Klimaprobleme und trotz der hasserfüllten Demontranten gegen „die da oben“ und trotz vieler kleiner und großer Probleme wird die Weltwirtschaft in den nächsten Jahren weiter wachsen. Das gilt für Asien, Europa und die USA. Südamerika und Afrika haben auch große Wachstumschancen, aber politische Instabilität und Korruption müssen erst überwunden werden.

Wer langfristig Geld anlegen will, kommt an Aktien nicht vorbei. Die seriösen Fachleute empfehlen immer wieder sogenannte ETF, die ein ganzes Land oder eine ganze Branche u.ä.m. abbilden können. Die französische Fondsgesellschaft Amundi hat die Gebühren für ihre ETF nochmals gesenkt und bietet u.a. folgende ETF an:

  • Aktien Europa – Amundi Prime Europe – Isin LU1931974262 – Kosten 0,05 Prozent !
  • Amerikanische Aktien – Amundi Prime USA – Isin LU1931974858 – Kosten 0,05 Prozent !
  • Aktien weltweit – Amundi Prime Global – Isin LU1931974692 – Kosten 0,05 Prozent !

Wenn Sie die ISIN-Bezeichnung googeln, erfahren Sie viele Details.

 

G e d i c h t e

Theodor Fontane

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand, und kam die goldene Herbteszeit und die Bäume leuchteten weit und breit, da stopfte, wenn´s Mittag vom Turme scholl, der von Ribbeck sich beide Taschen voll, und kam in Pantinen ein Junge daher, so rief er: „Junge, wiste ´ne Beer?“ Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn, kumm man röwer, ick hebb ´ne Birn.“

So ging es viele Jahre, bis lobesam der von Ribbeck zu sterben kam. Er fühlte sein Ende, ´s war Herbsteszeit, wieder lachten die Birnen weit und breit; da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab, legt mir eine Birne mit ins Grab.“ Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus, trugen von Ribbeck sie hinaus, alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht sangen „Jesus meine Zuversicht“, und die Kinder klagten, das Herze schwer: „He is dod nu. Wer giwt uns nu ´ne Beer?“

So klagten die Kinder. Das war nicht recht – ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht; der neue freilich, der knausert und spart, hält Park und Birnbaum strenge verwahrt, aber der alte, vorahnend schon und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn, der wußte genau, was damals er tat, als um eine Birn` ins Grab er bat, und im dritten Jahr aus dem stillen Haus ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab, längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, und in der goldenen Herbsteszeit leuchtet´s wieder weit und breit. Und kommt ein Jung´ übern Kirchhof her, so flüstert´s im Baume: „Wiste ´ne Beer?“ Und kommt ein Mädel, so flüstert´s: „Lütt Dirn, kumm man röwer, ick gew´dir ´ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Erich Kästner: Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten (und man darf sagen: sie kannten sich gut), kam ihre Liebe plötzlich abhanden. Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter, versuchten Küsse, als ob nichts sei, und sahen sich an und wußten nicht weiter. Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken. Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier und Zeit irgendwo Kaffee zu trinken. Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort und rührten in ihren Tassen. Am Abend sassen sie immer noch dort. Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort und konnten es einfach nicht fassen.

Mascha Kaleko

Wir waren ein Paar, jeder ein seliger Singular. Liebten einander als Ich und als Du. Jeglicher Morgen ein Rendezvous. Ich und Du wir waren ein Paar. Glaubt man es wohl an die vierzig Jahr. Liebten einander in Wohl und Wehe. Führten die einzig mögliche Ehe. Waren so selig wie Wolke und Wind. Weil zwei Singulare kein Plural sind.

Mascha Kaleko

Man braucht nur eine Insel allein im weiten Meer.

Man braucht nur einen Menschen, den aber braucht man sehr.

 

Sehr lange sind die Vertreibungen der Deutschen nicht thematisiert oder erforscht worden, weil „das Leid der Opfer und ihrer Nachkommen Jahrzehnte lang unter der zentnerschweren Platte historischer Schuld Deutschlands begraben lag.“

Im Interesse der Opfer und ihrer Familien, im Interesse der Wahrhaftigkeit und vor allem im Interesse einer unbelasteten und friedlichen Zukunft Europas müssen wir diese Platte beiseite räumen.

„Eines der scheußlichsten Verbrechen, die damals a n Deutschen begangen wurden, verübten Soldaten der tschechoslowakischen Armee in der Nacht vom 18. auf den 19. Juni 1945 an Heimkehrern aus Nordböhmen, deren Zug auf dem Verschiebegelände des mährischen Bahnknotenpunkts Prerau angehalten hatte. In dem Zug befanden sich fast ausschließlich Frauen, Kinder und alte Männer. Insgesamt 265 Karpatendeutsche (120 Frauen, 74 Kinder und 71 Männer – das jüngte Opfer war acht Monate alt – das älteste 80 Jahre) wurden durch Genickschuss getötet und in einem Massengrab verscharrt. Ähnliche Massaker wie in Prerau, mit manchmal mehr Toten, ereigneten sich in Aussig, beim Brünner Todesmarsch, in Postelberg und in mehreren anderen Orten Böhmens und Mährens. Das Massaker von Prerau war das einzige Vertreibungsverbrechen, das von einem tschechoslowakischen Gericht mit einem definitiven Schuldspruch geahndet wurde. Die meisten Täter wurden auf der Grundlage des Gesetzes „Über die Rechtmäßigkeit von Handlungen, die mit dem Kampf um die Wiedergewinnung der Freiheit der Tschechen und Slowaken zusammenhängen“ freigesprochen. Dieses Gesetz ist noch immer Teil der tschechischen Rechtsordnung.“ („Das Massaker von Prerau“ von Karl-Peter Schwarz in der FAZ)

Kein Deutscher, ein Ire ist der Autor der ersten Gesamtdarstellung der Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg: Ray M. Douglas, Professor für Geschichte an einer Uni in New York. Der Buchtitel „Ordnungsgemäße Überführung. Die Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg.“ erschien beim Verlag C.H.Beck. Douglas beschreibt die systematische Gewalt gegen deutsche Internierte, auch gegen Kinder, die Vergewaltigungen und Folterungen, die Zwangsarbeit und den allgegenwärtigen Hunger. So schonungslos und umfassend wurden diese Staatsverbrechen noch von keinem Historiker dargestellt.

Die folgenden Zitate und Stichworte sollen die Bandbreite des Themas „Vertreibung“ darlegen:

  • „Selbst der bayerische Ministerpräsident kapitulierte vierzehn Jahre nach Unterzeichnung der deutsch-tschechischen Erklärung vor der Hartnäckigkeit, mit der die Tschechen an ihren Geschichtsmythen und deren Symbolen festhalten. Mit „Vereinen“ von ehemaligen tschechoslowakischen Staatsangehörigen (gemeint sind Vertriebene) spricht die Prager Regierung nach wie vor nicht, obwohl sich vor allem junge Tschechen mit den Massenmorden an Deutschböhmen nach dem Krieg auseinandersetzen.“ (B.Kohler)
  • „Geboren wurde Hans-Jürgen Syberberg im vorpommerschen Nossendorf. Neun Kilometer entfernt liegt Demmin: Dort kam es 1945 nach dem Einmarsch der Roten Armee zu Massenvergewaltigungen und zum Abbrennen von Häusern. In der Folge brachten sich etwa 1000 Menschen um.“ (Fundstück)
  • „Am Beispiel der imaginären Geschwister, deren Platz wir eingenommen haben, sei erinnert an: die tausend in einer Nacht verbrannten Kinder in Heilbronn, die viertausend in der Ostsee versunkenenKinder und Jugendlichen der „Wilhelm Gustloff“, die Unzahl der in den Armen ihrer verrückt gewordenen Mütter erstarrten Säuglinge, deren kleine Körper die vereisten Fluchtwege säumten, die namenlose Legion der sich unter Kolbenstößen der Soldateska windenden halbwüchsigen Nachrichtenhelferinnen in Ostpreußen und anderswo.“ (Fundstück)
  • Rüdiger Safranski auf die Aussage: „Die Gegner sagen, Deutsche würden sich einen Opferstatus anmaßen, der ihnen nicht zusteht“: „Unsinn! Die Kinder und Frauen, fast 90 Prozent der Vertriebenen, konnten keine Täter sein.“
  • „Koffer, Mullbinden, Ausweisungsbescheide. Die Bonner Ausstellung „Flucht und Vertreibung und Integration“ beweist Taktgefühl mit einem sehr schwierigen Kpitel deutscher Geschichte.“ (FAZ)
  • „Hans Magnus Enzensberger, der in Prag mit Charme und Ironie das einstige Feindesland vertrat, hält die Aufarbeitung der Vertreibung für „förderlich für die Gesundheit dieser Gesellschaft.“ (Fundstück)

Fortsetzung folgt.

 

Die Vertreibung der Deutschen

Die schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte sind in der Nazizeit von Deutschen begangen worden. Fast zehn Millionen Opfer (Juden, Sowjetische Kriegsgefangene, Behinderte, Zigeuner, Politische Häftlinge, Zwangsarbeiter u.a.m.) sind a u ß e r h a l b der Kriegshandlungen zu beklagen.

Bis in die 1970er Jahre wurden diese Verbrechen weitestgehend ignoriert, geleugnet oder relativiert. Dann machten sich jüngere Historiker (auch aus dem Ausland) daran,das Versäumte nachzuholen. Von Raoul Hilberg bis Götz Aly haben hunderte Forscher und ihre Helfer Millionen Dokumente ausgewertet, tausende Zeugen und überlebende Opfer wurden befragt, Gerichtsverfahren halfen bei der Aufklärung.

Heute wird uns Deutschen von allen Seiten – auch aus dem Ausland – bestätigt, dass wir die Naziverbrechen seriös, wahrhaftig und unideologisch aufgearbeitet und dokumentiert haben.

Nach dem 2. Weltkrieg sind zwischen 1944 und 1948 etwa zwölf Millionen Deutsche aus den deutschen Ostgebieten vertrieben worden:

 

Chodorkowski ? Da war doch mal was.

Michail Chodorkowski hat sein Firmenimperium in der korrupten Jelzin-Ära geschaffen und war der reichste Mann Russlands, als Putin zum ersten Mal Präsident wurde. Neben Chodorkowski hatten sich einige weitere Oligarchen das Land unter den Nagel gerissen und dabei legale, halblegale und illegale Aktivitäten praktiziert. Präsident Jelzin ist mein paar Milliarden ruhig gestellt worden.

Als Putin an die Macht kam, wusste er natürlich, wer die Eigentümer seines Landes waren. Präsident Putin handelte pragmatisch, zitierte die Oligarchen zu sich, verlangte sofortige politische Abstinenz und war bereit, den Herrschaften ihre erbeuteten Firmen zu überlassen. Alle hielten sich an Putins Anweisung – nur Chodorkowski nicht; der wollte sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Anführer Russlands werden.

Die deutschen Medien haben uns damals berichtet, dass „Chodorkowski von Putin ins Lager gesteckt wurde“, dass es sich um eine „politische Verfolgung“ handele und dass der russische Staat gegen Chodorkowski einen „politischen“ Prozess führe. Der Tenor der Russland-Berichterstattung hat sich in deutschen Medien bis heute nicht geändert: Putin lässt seine politischen Konkurrenten ohne Rechtsgrundlage verurteilen und einsperren. Chodorkowski ist ein gutes Beispiel:

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg weist im Jahr 2011 Chodorkowskis Klage gegen die russische Justiz zurück, das Verfahren gegen ihn sei politisch motiviert gewesen. Was schreiben die Medien zu diesem Urteil:

  • „Chodorkowski scheitert mit Klage gegen Russland. Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte rügt Haftbedingungen des Russen, sieht aber keine Beweise für einen politischen Prozess. Amnesty International ordnet Chodorkowski als politischen Gefangenen ein.“ (Süddeutsche Zeitung)
  • „Gericht verurteilt Russland, weil Chodorkowski im Gericht in einem Käfig vorgeführt wurde.“ (In diesem Bericht der WAZ wird mit keinem Wort erwähnt, dass Chodorkowski in der Hauptsache mit seiner Klage gescheitert ist)

In einem weiteren Verfahren hatte Chodorkowski den EUGH wegen „versteckter Enteignung“ durch den russischen Staat angerufen; dazu schrieb die Süddeutsche Zeitung: „Yukos (die Firma Chodorkowskis) erzielt Teilerfolg gegen Russland – aber abermals konnte sich das Gericht nicht dazu durchringen, politische Motive hinter den Steuernachforderungen und Strafzahlungen zu sehen:“

Thomas Fassbender, der in Moskau lebte, schreibt in seinem Buch „Freiheit statt Demokratie“, dass Chodorkowski mit der russischen Dessidenten-Tradition, für die der Name Andrej Sacharow steht, nichts gemein hat. Die westlich-demokratische Karte begann er erst zu spielen, als mit Putins Machtantritt seine eigene, unter Boris Jelzin errungene Position ins Wanken geriet.“

Prof. Rainer Zahlten in einem FAZ-Leserbrief: „Chodorkowski hat inzwischen den Status eines Märtyrers erreicht; seine unbestreitbare Karriere als Raubtierkapitalist, der sich am Staatsvermögen der zerfallenden Sowjetunion bereicherte und in Rekordzeit zum reichsten Oligarchen Russlands wurde, ist tunlichst vergessen. Es ist schon faszinierend wie man als korrupter Oligarch zum Publikumsliebling hochgeschrieben werden kann.“

Wenn Sie, liebe Leser, die ganze Wahrheit über Herrn Chodorkowski wissen wollen, dann lesen Sie das Buch „Chodorkowski – Leben, Mythen und andere Wahrheiten“ von Viktor Timtschenko (Herbig-Verlag). Im Klappentext heißt es: „Auf der Suche nach tieferen Beweggründen für Chodorkowskis Verhaftung im Jahr 2003 setzt der Autor das Leben des Oligarchen wie ein Puzzle zusammen: Er nimmt dessen Geschäftsgebahren unter die Lupe und zeigt dabei die genialen Schachzüge des Senkrechtstarters auf: Von Steuerhinterziehung über Scheinverkäufe bis hin zu Morden, die nachweislich mit Chodorkowskis Konzern Yukos in Verbindung stehen, ist alles zu finden, was einen aufstrebenden jungen Mann auf dem Weg zu Geld und Macht voranbringen kann.“ Und die ARD-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz schreibt im Vorwort: „Auch ich habe geglaubt, was immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wurde, dass es nämlich Chodorkowski war, der als erster Oligarch Bilanzen in Russland offengelegt und westliche Standards in seinem Unternehmen eingeführt hat. Dabei war es ganz anders. Erst als die Staatsanwaltschaft bereits ermittelte, hat Chodorkowski seine sogenannte transparente Firmenstruktur geschaffen, die ihn in der ganzen Welt berühmt machte. Alles davor ist an Intransparenz und Trickserei auf Kosten der Allgemeinheit kaum zu überbieten. Timtschenko beweist , dass ein hoch intelligenter und eiskalt planender Chodorkowski die Gunst der Jelzin-Ära nutzte, um sich zum reichsten Mann Russlands aufzuschwingen und auch die politische Macht anstrebte.“

Gegen die russischen Oligarchen, zu deren Anführern Boris Beresowskij und Chodorkowski gehörten, ist die italienische Cosa Nostra ein Kleingartenverein. Dennoch wurde Präsident Putin in westlichen Medien als das Monster abgebildet. Ende Mai 2011 stellten sich sieben Menschen auf Putins Seite: Die sieben Richter des Straßburger Gerichtshofs für Menschenrechte urteilten, dass Chodorkowski kein Opfer politischer Justizwillkür und kein politisch Verfolgter ist. Die Klage von Michail Chodorkowski wurde abgewiesen.

Chodorkowski strebte früh nach politischer Macht; bereits 1993 wurde er stellvetretender Minister für Brennstoffe und Energie; bis 1994 war er auch Mitglied des Rats für Industriepolitik und finanzierte mit anderen Oligarchen die Wiederwahl von Boris Jelzin. In dieser Phase „erwarb“ Chodorkowski sein Firmenimperium.

Die ZEIT schrieb damals: „Er symbolisiert das Gute und Geläuterte im Kampf gegen das Böse.“

Und die WELT entblödet sich nicht und gibt Herrn Chodorkowski am 20. Juli 2020 – zehn Jahre nachdem alle kriminellen Machenschaften auf dem Tisch liegen – Gelegenheit, sich als von Putin verfolgter Saubermann zu präsentieren.

 

Kluge Worte

= Das schönste aller Geheimnisse ist, ein Genie zu sein, und es als einziger zu wissen. (Mark Twain)

= Bevor ich heiratete, hatte ich sechs Theorien über Kindererziehung. Jetzt habe ich sechs Kinder und keine Theorie. (John Wilmot)

= Die einzigen Männer, die eine Frau zu durchschauen vermögen, sind Röntgenärzte. (Sacha Guitry)

= Fernsehen bildet. Immer wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese. (Groucho Marx)

= Man findet tausend Gelehrte, bis man auf einen weisen Mann trifft. (F.M. von Klinger)

= Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück. (Benjamin Britten)

= Wer fragt ist ein Narr für fünf Minuten. Wer nicht fragt, bleibt ein Narr für immer. (Aus China)

= Widersprüche sind unvermeidbar. Es kommt aber weniger darauf an, sie aufzulösen, als vielmehr im Geiste von Verständigung, Rücksichtnahme und gegenseitigem Respekt auszuhalten. Schließlich beginnt Toleranz dort, wo Einverständnis endet. Der deutsch-israelische Lyriker Jehuda Amichai hat dafür die angemessenen Worte gefunden: „An dem Ort, an dem wir recht haben, werden niemals Blumen wachsen im Frühjahr. Der Ort, an dem wir recht haben, ist zertrampelt und hart wie ein Hof. Zweifel und Liebe aber lockern die Welt auf wie ein Maulwurf, wie ein Pflug. Und ein Flüstern wird hörbar an dem Ort, wo das Haus stand, das zerstört wurde.“

= Wer gegen den Strom schwimmt, kommt zur Quelle. (Konfuzius)

= Ganz gleich, wie viele heilige Worte du liest, ganz gleich, wie viele du sprichst – was für einen Wert haben sie für dich, wenn du nicht nach ihnen handelst? (Dhammapada)

 

G e r e c h t i g k e i t

In Uganda verbreitete die grausame Rebellengruppe „Lord´s Resistance Army“ (LRA) Angst und Schrecken. Dominic Ongwen war Kommandeur dieser Gruppe und steht wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Den Haag vor Gericht. Ongwen hatte sich der LRA nicht freiwillig angeschlossen, weil er als Kind von den Rebellen entführt worden war. Seine Anwälte meinen, man könne ihn deshalb nicht für seine Taten verantwortlich machen. Wie würden Sie urteilen ?

Jack Unterweger erhielt für den Mord an einer Frau „lebenslänglich“; er galt als ein unheilbar aggressiver Sadist. Im Gefängnis „wandelte“ er sich, er wurde fügsam, holte den Schulabschluss nach und begann wie besessen zu schreiben: Gedichte, Dialoge und Erzählungen über sein elendes Leben als uneheliches Kind, ohne Vater, die Mutter gab ihn weg, der Großvater verprügelte ihn, er kam in ein Erziehungsheim, brach eine Lehre ab, dann folgten Diebstahl, Körperverletzungen, Gefängnis, Gewalttätigkeiten und wieder Gefängnis; dann kam der Mord. Einer Brieffreundin lieferte Unterweger eine Selbstbeschreibung: Er sei „das Ekel in Person“. Seine Bücher trugen die Titel: „Kerker“ + „Tobendes Feuer“, „Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus“. Die Kulturszene wallfahrte zu diesem Wundertier ins Gefängnis und schließlich forderten siebenhundert Künstler und Dichter einschließlich Ernst Jandl und Günter Grass seine Freilassung. Unterweger war das Musterbeispiel einer gelungenen Resozialisierung. Er kam im Mai 1990 frei, hielt Lesungen, hatte Live-Auftritte im Fernsehen und die Frauen stürzten sich auf den Knastpoeten; dann liess seine Schaffenskraft nach und weil ihm die Bewunderung der Frauen nicht reichte, musste er sie unterwerfen. Dann ermordete er mindestens neun Prostituierte und wurde wieder zu lebenslanger Haft verurteilt. Dann erhängte sich Unterweger in seiner Zelle.

In Chile ist der Strafvollzug seit den Zeiten der Diktatur und auch heute noch besonders hart. Resozialisierung ist ein Fremdwort. Die Juristin und Lyrikerin Andrea Brandes hat acht Jahre lang im Hochsicherheitsgefängnis von Santiago Lyrikunterricht gegeben. Elena Witzeck stellt ihr in einem Interview die Frage: „Wie viele dieser Erfahrungen waren mit dem Erbe der Diktatur verknüpft, die vor 30 Jahren endete?“ Brandes Antwort: „Die meisten. Da gab es diesen kleinen, stämmigen, schweigenden Mann mit dem freundlichen Gesicht. Einmal meldete er sich und sagte: Ich habe ein Problem. Ich weiß nicht genau, wer ich bin. Er hatte sein ganzes Leben im Untergrund verbracht. Er war am 10. September 1973 in ein Flugzeug gestiegen, um eine Schülerreise in die sozialistischen Länder anzutreten, eine Belohnung dafür, daß sein Vater viele Jahre im Dienst des Präsidenten Salvador Allende gearbeitet hatte. Als das Flugzeug in der Luft war, putschte das Militär. Die chilenische Regierung nahm die Kinder nicht mehr zurück. Sie kamen nach Kuba zur Privatwache von Fidel Castro und bekamen mit elf Jahren eine Waffe ausgehändigt. Mit siebzehn war er Guerillakämpfer in Nicaragua. In Chile nahm man ihn schließlich fest. Er saß schon 28 Jahre ein, als ich kam, und wusste nicht, wer er war.“

Diese drei außergewöhnlichen Fälle deuten an, wie schwierig die Frage „Was ist gerecht“ zu beantworten ist. Aber niemand wird bestreiten, dass die Lebensverhältnisse, in die wir hineingeboren werden und in denen wir aufwachsen, unseren Charakter, unser Selbstvertrauen, unsere seelische Substanz, unsere Lernbereitschaft, unsere Fähigkeit zu Empathie u.v.a.m. entscheidend prägen.

Deutschland ist ein funktionierender Rechtsstaat mir einer erfolgreichen Sozialen Marktwirtschaft. Man kann darüber streiten, ob die finanzielle Unterstützung der ärmeren Bevölkerung ausreichend ist und ob die „Reichen“ stärker belastet werden sollen. Über die immer noch nicht realisierte Chancen-Gerechtigkeit kann man nicht hinwegsehen.

Wenn du in eine Familie geboren wirst, in der vom ersten Lebenstag an verbale und körperliche Gewalt (von deiner Familie und von den Medien) existiert und wo keine Herzensbildung und schon gar keine Wissensbildung gefordert wird und wenn du nicht das Glück hast, mit sechs Jahren in einem Fußballverein oder bei den Pfadfindern zu landen sondern bei „Deinesgleichen“ auf der Straße – dann wirst du eine Ausnahme sein, wenn du einen Beruf erlernen und eine Familie gründen und ein ruhiges Leben ohne ausgeprägte Aggressionen erfahren kannst. (Auch in finanziell besser gestellten Familien wächst die von den Eltern zu verantwortende Chancenungerechtigtkeit an, weil zu viele Kinder verwöhnt und nicht gefordert werden, ihre Zeit mit dem Smart-Phone und Pornos und Gewaltfilmen auf dem Sofa verbringen, keinen Beruf erlernen und bis zum Tod der Eltern von diesen ernährt werden und sich dann mit dem Erbe durchfüttern)

Die größte Ungerechtigkeit in Deutschland ist die Chancenungerechtigkeit. Aber wie kann die Politik dieses Problem lösen ? Ich hätte da ein paar Vorschläge:

  • Verpflichtende Anwesenheit in Kitas und Kindergärten, die ein vom Staat kontrolliertes „Programm“ absolvieren. Für die Kleinen sollte die Anwesenheitspflicht nicht mehr als vier Stunden pro Tag sein.
  • A l l e Schüler gehen vom 6. bis zum 16. Lebensjahr in eine einheitliche Ganztagsschule. Die Schulaufgaben werden i n der Schule bei der Anwesenheit eines Lehrers erledigt. Der Lehrer ist mitverantwortlich für die Schulnoten. Die Klassen dürfen auf keinen Fall mehr als 20 Schüler haben. Ab dem 16. Lebensjahr können die Schüler in eine Berufsausbildung gehen oder bis zum Abitur bleiben. Es gibt keinen Schwimm- und Turnunterricht, sondern viermal wöchentlich Mannschaftssport (Fußball, Basketball, Handball) mit den richtigen Pädagogen; das beinhaltet füreinander einstehen (der Starke beschützt den Schwachen) und körperliche Fitness.
  • An den Schulen wird deutlich mehr politisches und historisches Wissen vermittelt.
  • Alle Schüler werden zu einem Jahr Sozialarbeit (nicht Militär) verpflichtet; das kann in Deutschland oder in Entwicklungsländern absolviert werden.
  • Alle Medienprodukte (Filme, Serien, Spiele usw.) unterliegen strengen Kontrollen und Auflagen. Wenn wir eine mentale Degeneration mit bösen Folgen verhindern wollen, müssen hier Freiheiten beschnitten und entsprechende Gesetze mit aller Konsequenz umgesetzt werden. Das fängt bei den Fernsehsendern an, geht über Internetmedien bis hin zu den amerikanischen Hardcore-Produzenten. (Ein harmloses Beispiel: Wie kann es sein, dass kurz vor der Tagesschau ein ARD-Film beworben wird, in dem innerhalb von Sekunden mehrere Menschen mit schweren Waffen ermordet werden und das ungeschützt für jedes Alter ?)
  • Wahlberechtigt sind auch zukünftig Bürger erst ab 18 Jahren.
  • Wir brauchen in Deutschland mehrere tausend Sportplätze- und Hallen zusätzlich, damit wirklich alle Jugendlichen und Kinder und natürlich alle interessierten Erwachsenen Mannschaftssport lernen und betreiben können. Die Einstellung geeigneter Trainer muss den Vereinen durch den Staat finanziell ermöglicht werden. Der Staat spart unter dem Strich dennoch Geld, weil dadurch die sozialen Problemfälle bei Kindern und Erwachsenen drastisch zurückgehen.
  • Alle Schulen sollten einen oder mehrere Chöre zusammenstellen – das macht Spass und verbindet und ist gesund.

Es gibt sicher noch weitere gute Ideen zur Bekämpfung der Chancenungerechtigkeit. Und wer jetzt über den hohen finanziellen staatlichen Aufwand stöhnt, der sollte mal anfangen zu rechnen und die vielen Milliarden soziale Reparaturkosten gegen die Kosten für Schulen, Sportvereine etc. aufrechnen.

Und man sollte berücksichtigen, dass die Wirtschaft mehr leistungsfähige Mitarbeiter findet.


 

Die Welt ist ein Dorf

= Kritik an der Politik des Staates Israel muss möglich sein, ohne sich dem Antisemitismusvorwurf auszusetzen. Und man darf die konkrete Siedlungspolitik im Westjordanland als (neo-)kolonialistisch bezeichnen. Viele Israelis sind gegen diese Landnahme – auch weil sie befürchten, dass eines Tages Islamisten oder radikale Länder wie der Iran das den Palästinensern gestohlene Land ohne Rücksicht auf Verluste zurückerobern wollen. Das dürfte weit schlimmere Folgen haben, als die bisherigen Nahostkriege.

= Vom Eselskarren direkt zum Elektro-Auto. Die rasante Verbreitung des Smartphones könnte in Afrika zu einem Entwicklungssprung führen; der mühsame Weg über Telefonnetze und verlegte Kabel wird übersprungen, indem Sendemasten aufgestellt werden und schon ist man im letzten Winkel erreichbar. Innerhalb von zwanzig Jahren könnte es in Afrika mehr Internetnutzer geben, als in Europa und Afrika zusammen.

Immer noch besuchen viele Kinder keine Schule. In Südafrika erarbeiteten 50 Studenten ein Online-Programm, mit dem Schüler lernen können; es beginnt mit leichten Rechenaufgaben, ermittelt den Wissensstand des Nutzers und kann damit auf den Schüler individuell zugeschnittene Übungen anbieten; dabei hat die App mehr Geduld als jeder Lehrer, kann eine Frage im Zweifel tausend Mal wiederholen oder Rechenaufgaben so lange variieren, bis die Schüler ihren Sinn begriffen haben. Aber nicht nur Schüler und Studenten werden von der Digitalisierung vorangebracht, auch z.B. afrikanische Kleinbauern, für die Wetterausfälle früher den Ruin bedeutet haben, können online Wetterversicherungen abschließen. Auch die App „Hello Tractor“ erfreut sich großer Beliebtheit; Bauern geben auf ihrem Handy an, wann und wo sie eine Maschine (z.B. einen Traktor) brauchen, die Buchungen gehen in der Zentrale ein und Fahrer werden auf möglichst effektiven Routen über Land geschickt. Auch wer nicht das Geld für eine eigene Landmaschine hat, kann jetzt professionell ernten. Der Unternehmergeist der Kleinbauern wird damit geweckt. Ein kostenloser Nachrichtendienst erinnert online Schwangere an Vorsorgeuntersuchungen, gibt Tipps für den Alltag als werdende Mutter oder erklärt, wie eine HIV-Infektion des Kindes verhindert wird. (C.i.G.)

= Inmitten von Spannungen mit China hat die amerikanische Regierung einem möglichen Rüstungsdeal mit Taiwan zugestimmt; es geht um ein Aufrüstungspaket für Taiwans Patriot-Raketen im Wert von etwa 500 Millionen Euro.

= UN-Generalsekretär Guterres bezeichnet die Rohingya als das „womöglich am stärksten verfolgte Volk der Welt.“ Die Gründe für ihre Vertreibung sind vielschichtig, reduziert werden sie vor allem auf die Religion; denn als Muslime unterscheiden sie sich von der buddhistischen Mehrheitsgesellschaft Myanmars. Den Rohingya wird unterstellt, zum mehrheitlich muslimischen Nachbarland Bangladesch zu gehören. Bei der Vertreibung spielen auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle: Myanmar gilt als ölreich. Die Rohingya sind auch wegen des Corona-Virus vom Rest des Landes komplett abgeriegelt. Sollte das Virus sich ausbreiten, weiß niemand, wie die Betreuung der Kranken sichergestellt werden kann. Es mangelt an Schutzmasken, Abstrich-Tests und Desinfektionsmitteln.

= Sansibar: Mit Seetang zur Selbstbestimmung. Ihre Felder werden regelmäßig überflutet. Ausgerechnet im warmen Salzwasser des Indischen Ozeans gedeihen die Pflanzen besonders gut. Im sandigen Wattboden vor der afrikanischen Ostküste bauen Sansibars Frauen Seetang an. Die Algen sind auf dem Weltmarkt begehrt: Sie werden für Kosmetika, Lebensmittel, Tierfutter oder Biotreibstoff gebraucht und filtern obendrein Stickstoff und Phosphor aus dem Wasser. Weil die Männer lieber mit Fischfang und Tourismus Geld verdienen, profitieren die Frauen doppelt: Früher verließen sie kaum das Haus, heute reisen sie auf Märkte und verfügen über ein eigenes Einkommen.

= Der Glaube der Hindus, man dürfe Rinder nicht töten, beruht auf der Vorstellung der Seelenwanderung. Die vorletzte Stufe ist das Rind, die letzte der Mensch. Wer Rinder tötet, muss von vorn anfangen.

 

Noch sieben mal schlafen…..

dann geht es wieder los !! Wir Fußball-Fans haben ein hartes Leben. Schon in normalen Zeiten müssen wir in der Winter- und in der Sommerpause viele Wochen lang auf unseren geliebten Fußball verzichten. Das ist immer sehr hart, bringt uns an den Rand des Burn-Outs und in die Gefahr, mehr als ein paar Gläser Rotwein zu trinken, bevor wir vor dem Fernseher mit Rosamunde-Pilcher-Filmen einschlafen. (Sollte ich mal DFB-Präsident werden, werde ich die diversen Ligen zeitlich so planen, dass es nicht eine einzige Pause gibt – außer an Heilig-Abend.)

Erschwerend kommt hinzu, dass jetzt wieder all die Journalisten aus den Löchern kriechen, die den Fußball verachten und sich intellektuell profilieren wollen. An der Spitze dieser Bewegung steht die Süddeutsche Zeitung, die folgendes absondert:

  • „Es hat daher fast schon metaphorischen Charakter, dass Berlins bester Torwächter, Rafael Gikiewicz, nun sein Glück beim FC Augsburg versucht.“
  • „ES ist gut möglich, dass Ozan Kabak sich seit dem Weggang von Galatasaray Istanbul in einem Déja-vu gefangen fühlt.“
  • „Gjasula war mit seiner Spielweise eine Reminiszenz an vergangene Hochzeiten der Raubeine.“

Ein gewisser Herr Martenstein schreibt in der Frauenversteher-Zeitung ZEIT: „Der Kollege Sportredakteur hat sich auch vom Fußball abgewandt. Es gibt wenige Überraschungen, die Favoriten scheitern zu selten. Wer will das sehen?“ Wir wollen das sehen !! Wir sind ungefähr 25 Millionen in Deutschland und etwa zwei Milliarden auf der Welt !!

Die 11Freunde-Redaktion beschreibt das so: „Es gibt viele Dinge, die wir als Fußball-Fans tun, die bei flüchtiger Betrachtung grober Unfug sind. Auswärtsfahrten am Montagabend. Bei einem Freundschaftsspiel mit überschnappender Stimme die Anhänger des gastgebenden Kreisligisten beschimpfen. Fünf Monate mit einem roten Nummernschild herumfahren, bis endlich das Wunschkennzeichen mit dem Kürzel des eigenen Vereins verfügbar ist. Im Kölner Dom eine Kerze für den Lieblingsclub anzünden. Einen Zehner auf den Klassenerhalt des HSV setzen. An einem Dienstag heiraten, weil da garantiert kein Pflichtspiel der eigenen Mannschaft dazwischen kommt. Und eben einen Club am Leben halten, der vor Jahren sein letztes Spiel bestritten hat. Man kann eben nicht anders.“

Der DFB-Präsident Fritz Keller in der FAZ a.S.: „Wenn man über wahre Liebe redet, dann können wir sagen, dass sich wahre Liebe nicht im Erfolg zeigt, sondern dann, wenn es einem nicht so gut geht. Wir haben nach dem Abstieg so viele Dauerkarten verkauft wie noch nie. Die Menschen in Freiburg sind diesen Abstieg mitgegangen.“

Wahre Liebe könnte man auch mit „Solidarität“ übersetzen. Der Kern von Solidarität ist das Gegenteil von Egoismus: Wenn es meinem Freund schlecht geht, d a n n braucht er mich und genau so ist es mit meinem Fußball-Verein ! Wenn meine Mannschaft verliert, dann muss sie noch mehr angefeuert und nicht ausgepfiffen werden. Wenn mein Verein absteigt, dann bin ich gefragt ! (Ich werde nie ein Auswärtsspiel in Stuttgart vergessen, bei dem ein Fan-Mob von etwa 3000 Leuten Sprüche skandierte wie „Wenn Ihr absteigt schlagen wir euch tot.“)

Ohne Fußball wäre die Welt trauriger und asozialer: Brasilien ist besonders stark vom Corona-Virus betroffen. Das hat etwa 100.000 Fußball-Fans aus völlig unterschiedlichen und manchmal zerstrittenen Fan-Organisationen zusammengebracht. Wunderbar !! Mit vielen kleinen und großen Spenden wurden hunderttausende Hilfspakete geschnürt, die dann von den Fans an Bedürftige verteilt wurden.