Unsere Zukunft: Sicherheit + Freiheit + Wohlstand in der Europäischen Union !!!

Jeremy Rifkin: „In Europa kommen heute all die richtigen Elemente für einen radikal neuen Traum zusammen, einen Traum, der für die gesamte Welt viel attraktiver ist, als der unzeitgemäße amerikanische Traum. Die Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Werten sind fundamental. So definieren Europäer Freiheit und Sicherheit völlig anders als Amerikaner, die Freiheit mit Autonomie, mit individueller Unabhängigkeit und Mobilität assoziieren und dies mit Geld zu erreichen versuchen. Für Europäer ist Freiheit nicht Autonomie, sondern Einbettung, menschlicher Beziehungsreichtum. Das ist mit der europäischen Bevölkerungsdichte, aber auch mit paternalistischen und kommunalistischen Traditionen zu erklären. Traditionen, die wir in Ameika nicht haben. Unser Traum stützt sich auf uneingeschränktes Wirtschaftswachstum, materiellen Reichtum und individuellen Fortschritt, der europäische Traum aber auf Lebensqualität, nachhaltige Entwicklung und eine nährende Gemeinschaft.“

Javier Cercas: „Das vereinigte Europa ist die einzige vernünftige Utopie, die wir Europäer je ersonnen haben. Lassen wir einmal die offensichtliche Tatsache beiseite, dass nur ein vereinigtes Europa die Chance hat, in der Welt irgend etwas darzustellen, eine Kultur und politische Verfasstheit zu bewahren, die besser als jede andere ein Gleichgewicht zwischen Freiheit, Gleichheit und sozialer Gerechtigkeit herzustellen vermag. Der europäische Sport heißt nicht Fußball, sondern Krieg. Das letzte Jahrtausend hindurch haben wir Europäer uns umgebracht: in hundertjährigen Kriegen, in dreißigjährigen Kriegen, in Bürgerkriegen und Religionskriegen oder in Weltkriegen, die eigentlich und in Wahrheit europäische Kriege waren. Natürlich glauben manche, ein neuer Krieg sei in Europa inzwischen unmöglich. Ich glaube das nicht: Das Außergewöhnliche in Europa ist nicht der Krieg sondern der Frieden. Es reicht schon, dass Probleme auftreten wie jetzt, und schon blüht wieder der Nationalismus auf. Schon allein, um damit Schluss zu machen, lohnt sich ein Vereinigtes Europa.“

Heinrich August Winkler: „Der Westen ist eine Wertegemeinschaft, die an der Würde jedes einzelnen Menschen ansetzt. Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und sozialer Zusammenhalt lassen sich daraus ableiten.“

 

Friedenspolitik mit oder ohne Atomwaffen ?

Für das Ziel einer atomwaffenfreien Welt plädierten vor einigen Jahren Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Egon Bahr und Hans-Dietrich Genscher gemeinsam mit folgenden Argumenten:

= Henry Kisinger, George Schultz, William Perry und Sam Nunn haben 2007 zu einer atomwaffenfreien Welt aufgerufen. Sie haben in Administrationen von Republikanern und Demokraten als Außen- und Verteidigungsminister und im Vorsitz des Streitkräfteausschusses des Senats Respekt in den USA und darüber hinaus erworben. Gerade ihr Wissen und ihre Erfahrungen verleihen ihrer Sorge vor wachsenden atomaren Gefahren Gewicht. Als Realisten wissen sie, dass die Abschaffung aller Nuklearwaffen nur schrittweise erreichbar ist; sie schlagen dringend praktische Schritte vor, damit aus der notwendigen Vision Wirklichkeit wird.

= Das Schlüsselwort unseres Jahrhunderts heißt Zusammenarbeit. Kein globales Problem ist durch Konfrontation oder durch den Einsatz militärischer Macht zu lösen: weder die Bewahrung der Umwelt oder der Klimaschutz oder auch der Energiebedarf für eine wachsende Weltbevölkerung noch die Bewältigung der globalen Finanzkrise. Die USA tragen eine herausragende, unentbehrliche Verantwortung.

= Den Aufruf der vier amerikanischen Persönlichkeiten zu einem scharfen Richtungswechsel in der Atompolitik nicht nur ihres Landes unterstützen wir ohne Vorbehalt. Die Vision einer Welt ohne nukleare Bedrohung, wie sie Reagan und Gorbatschow in Reykjavik entwickelt haben, muss wiederbelebt werden. Mit dem Ziel einer drastischen Verringerung der Atomwaffen sind Verhandlungen aufzunehmen. Der Nichtverbreitungsvertrag (NVV) muss entscheidend gestärkt werden. Alle atomaren Kurzstreckenwaffen müssen vernichtet werden.

= Der Vertrag zur Raketenabwehr (ABM) muss wiederhergestellt werden. Der Weltraum darf nur für friedliche Zwecke genutzt werden.

= Sicherheit und Stabilität für den nördlichen Teil des Globus – das ist nur mit einer soliden und verbindlichen Zusammenarbeit zwischen Amerika, Russland, Europa und China zu schaffen.

= Partnerschaft verträgt sich schlecht mit der immer noch gültigen Doktrin der Nato und Russlands zum Erstgebrauch von Atomwaffen, auch wenn beide Seiten nicht atomar angegriffen werden. Ein allgemeiner Non-first-use-Vertrag unter den bewaffneten Staaten wäre ein drängend wünschenswerter Schritt. Deutschland, das auf atomare, biologische und chemische Waffen verzichtet hat, muss jedenfalls darauf dringen, dass die Nuklearstaaten sich verpflichten, keine Atomwaffen gegen Länder einzusetzen, die über solche Waffen nicht verfügen.

= Wir vertreten auch die Auffassung, dass die restlichen amerikanischen Atomsprengköpfe aus Deutchland abgezogen werden sollen.

Zusammenarbeit als Schlüsselwort unseres Jahrhunderts und sichere Stabilität auf dem nördlichen Teil unseres Globus können Meilensteine auf dem Weg zu einer nuklearwaffenfreien Welt werden.

Das sind unsere Antworten auf den Aufruf von Kissinger, Schultz, Perry und Nunn.

Das Plädoyer von Schmidt, von Weizsäcker, Bahr und Genscher ist in Zeiten der „America first“ – Strategie aktueller und notwendiger denn je. Deutschland kann nur dann in der Nato bleiben, wenn die Amerikaner verbindlich darauf verzichten, zukünftig Kriege ohne Zustimmung der anderen Natoländer zu führen; das gilt auch für Kriege in Korea, Vietnam, Laos, Lybien, Irak usw. Die Alternative ist eine Verteidigungsgemeinschaft der europäischen Staaten, die mit Russland und USA und China Verträge auf der Basis der o.g. Vorschläge anstrebt.

Was passiert, wenn China die USA in 20 Jahren wirtschaftlich überholt hat und den USA auf den Weltmärkten das Wasser abgräbt und wenn die dann noch radikalere Unterschicht in den USA einen noch radikaleren Präsidenten wählt?

Gleichzeitig müssen wir den Nato-Russland-Rat wiederbeleben und dafür sorgen, dass Europa mit Russland langfristig verbindliche Verträge schließt: Nichtangriffspakt – Friedensvertrag – Non-first-use – Vertrag und ein Freihandelsabkommen mit dem langfristigen Ziel der Aufnahme Russlands in die Europäische Union.

 

G e d i c h t e

M. Kaleko: Temporäres Testament

Nacch meinem Tode (Trauer streng verbeten) verlaß ich diesen elenden Planeten. Wenn Plato recht hat – Plato ist mein Mann – : Erst wenn man tot ist, fängt das Leben an.

Kapitel Eins beginnt mit dem Begräbnis, der Seele letztes irdisches Erlebnis. Auf meines freue ich mich heute schon! Da gibt es keine Trauerprozession.

Kein Lorbeerkranz vom Bund der Belletristen, kein Kunstvaein hat mich in seinen Listen, kein Dichtazirkel…. Sagen wir es schlicht: Gesellig war die sanft Entschlafene nicht.

Der Redakteur, den sie einst tödlich kränkte, als er sein Mäntlein nach dem Winde hängte, hat ihren Nachruf lange schon gesetzt. Der schließt: „M.K. war reichlich überschätzt.“

Diverse Damen und Herren Gatten zuzeiten eine Schwäche für mich hatten, die werden selbst im Regen Schlange stehen, um mich auch wirklich mausetot zu sehen.

J.W. Goethe: Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; er hat den Knaben wohl in dem Arm, er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? – Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? – Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.-

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir! Gar schöne Spiele spiel ich mit dir; manch bunte Blumen sind an dem Strand, meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, was Erlenkönig mir leise verspricht? – Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind; in dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn? Meine Töchter sollen dich warten schön; meine Töchter führen den nächtlichen Reihn, und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düstern Ort? – Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.“ Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grausets, er reitet geschwind, er hält in Armen das ächzende Kind, erreicht den Hof mit Müh und Not; in seinen Armen das Kind war tot.

J.W. Goethe: Gefunden

Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich ein Blümchen stehn, wie Sterne leuchtend, wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen, da sagt es fein: Soll ich zum Welken gebrochen sein?

Ich grubs mit allen den Würzlein aus, zum Garten trug ich´s am hübschen Haus.

Und pflanzt` es wieder am stillen Ort; nun zweigt es immer und blüht so fort.

 

Kurz und deutlich

Bill Baxley wurde schon im Alter von 29 Jahren Generalstaatsanwalt von Alabama. Kurz nach seiner Wahl nahm er die Ermittlungen zum Bombenanschlag auf die 16th Street Baptist Church wieder auf. Bei diesem rassistisch motivierten Terrorakt waren 1963 vier afroamerikanische Mädchen getötet worden; der Fall blieb zunächst unaufgeklärt. Baxley verfolgte den Fall mit unerschütterlichem Engagement und zog damit massive Feindseligkeiten lokaler Klu-Klux-Klan-Mitglieder auf sich. 1976 erhielt er einen Drohbrief von Edward R. Fields, einem weißen Rassisten, Gründer der rechtsextremen National States Rights Party und „Grand Dragon“ der Neuen Ordensritter des Klu-Klux-Klans. Fields warf dem Staatsanwalt vor, den Fall aus taktischen Gründen wieder aufgerollt zu haben. Bayleys Antwort war kurz und deutlich:

„L e c k e n S i e m i c h a m A r s c h „

(Ein Jahr später wurde Robert Chambliss – Mitglied der United Klans of America – des Mordes an der Baptist Church für schuldig befunden. Er saß bis zu seinem Tod 1985 im Gefängnis.)

 
 

Endlich sagt es mal jemand!

Literaturkritik – Das ist ja schon seit vielen Jahren ein ganz eigenes Genre: Die H a n d k e – Rezension. Der Quatsch, zu dem aber das neueste Handke-Werk die Kritiker beflügelte, ist doch bemerkenswert:

„In Handkes Büchern ereilt den Leser ein Aufhören, manchmal ist es grausam, manchmal erleichternd“ (ZEIT). „Peter Handke schickt seinen zart-komisch-spinösen Helden auf eine phänomenologische Donquichotterie voller Epiphanien des Zufalls und Aventüren der Innerlichkeit“ (Süddeutsche Zeitung). „Wenngleich das Leitmotiv des Sterbens wie eine Girlande aus Kastanienblüten die Blätter des Buches durchweht, bleibt doch das Jetzt ´das Herzhafteste´“ (FR). „Es ist die alte Paradoxie der Literatur, das die Erfahrung solch eines Absturzes der Sprache das Schreiben erst möglich macht“ (Stuttgarter Zeitung). Ein so heiliger Text könne nur aus der Zukunft kommen: „Futur exakt“ (Die WELT).

Inzwischen kann ich (meistens) über solchen akademischen Scheißdreck lachen.

 
 
 

Die Welt ist ein Dorf

= „Die Situation in Syrien ist kompliziert! Das schreibt Robert Fisk in der irischen Tageszeitung „The Irish Independent“: „Es stimmt, Baschar al-Assad hat im Kampf gegen jene, die sein Regime stürzen wollten, große Teile seiner Städte brutal zerstört. Und ja, dieses Regime hat sich einer Vielzahl von Sünden schuldig gemacht, darunter Folter, Hinrichtungen, geheime Gefängnisse, das Töten von Zivilisten…. Doch es ist an der Zeit, die andere Wahrheit zu erzählen: dass viele der „Rebellen“, die der Westen unterstützt hat, zu den grausamsten und rücksichtslosesten Kämpfern im Nahen Osten gehören. Wir haben ob der Schrecklichkeit der IS-Milizen bei der Belagerung von Mossul missbilligend den Kopf geschüttelt. Gleichzeitig haben wir bewusst das Verhalten der Rebellen in Aleppo ignoriert.“ (C.i.G.)

= „Somalias junge Bräute“ Kinderehe und Zwangsheirat sollen in Somalia legal werden. Das Parlament des vom sunnitischen Zweig des Islam geprägten Landes prüft einen entsprechenden Gesetzentwurf, wie die „New York Times“ berichtet. Mädchen könnten damit künftig ab der Geschlechtsreife verheiratet und von der Familie in eine Ehe gezwungen werden. Laut Regierung muss noch sichergestellt werden, dass das Gesetz „mit islamischem Recht und Tradition im Einklang steht.“ Die Sonderbeauftragte der UNO für sexuelle Gewalt, Pramila Patten, sprach von einem „großen Rückschlag im Kampf gegen sexuelle Gewalt in Somalia und der ganzen Welt.“ Sie verweist auf eine Studie, nach der bereits heute nahezu jede zweite Somalierin an einen Bräutigam vermittelt wird, bevor sie achtzehn ist.“ (C.i.G.)

= „Nachdem der Groß-Imam von Djibo in Burkina Faso von einer dschihadistischen Terrorgruppe ermordet wurde, befürchtet die Gesellschaft für bedrohte Völker eine Eskalation der Gewalt in Westafrika. „Der barbarische Mord an dem muslimischen Würdenträger zeigt, wie schlimm es um die Sicherheit in vielen Regionen Burkina Fasos steht. Die EU muss sich stärker um die dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage in weiten Teilen Westafrikas kümmern“, fordert Direktor Ulrich Delius. Der hohe muslimische Geistliche stand bis Anfang des Jahres unter Polizeischutz, weil er öffentlich radikale Muslime verurteilt hatte und danach Opfer eines versuchten Mordes wurde. Drei seiner Mitarbeiter sind bei einem weiteren Anschlag im letzten Jahr ermordet worden.“ (C.i.G.)

= Für den Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, ist es einer der größten Erfolge in der Geschichte der öffentlichen Gesundheit: Afrika ist Ende August 2020 von der WHO offiziell als vom wilden Poliovirus befreit erklärt worden; damit sind fünf von sechs WHO-Regionen, in denen 90 Prozent der Weltbevölkerung leben, frei vom Erreger der Kinderlähmung. Nur in Pakistan und Afghanistan kommen noch Fälle von Polio-Wildvirus vor.

= Die palästinensische Führung hat das Abkommen zwischen Israel und den Emiraten heftig kritisiert und deren Diplomatie als Verrat angesehen; diese Kritik wiederum hat der palästinensische Politikwissenschaftler und Friedensaktivist Mohammed Dajani zurückgewiesen. Die Palästinenser sollten versuchen, die Vorteile zu sehen, statt „alle Türen zu schliessen“, sagte er der „Jerusalem Post“. Dajani wünscht sich, dass mehr arabische Länder in den Friedensprozess einbezogen werden. „Wenn die Palästinenser gute Beziehungen und Brücken in die arabischen Länder bauen, statt die Emirate zu dämonisieren, könnten sie die Emirate motivieren, Druck auf Israel in Sachen Friedensprozess auszuüben. Wenn man die strategische Entscheidung getroffen hat, dass man Frieden will, dann kann Frieden nicht ohne Versöhnung geschehen und Versöhnung nicht ohne Normalisierung.“

= „Vor vielen Jahren in Uganda: Im Norden terrorisierte die „Lord`s Resistance Army“ die Bevölkerung, mordete, plünderte und zwang selbst Kinder, für sie zu kämpfen. Ein Combonimissionar fuhr den Fotografen und mich nach Lira. Die Patres hatten dort eine Radiostation aufgebaut und strahlten eine Live-Sendung aus, in der sich ehemalige Kindersoldaten an ihre von der Terrormiliz entführten Freunde im Busch wandten. Als wir die Grenze zum Bürgerkriegsgebiet passierten, beschlich mich ein mulmiges Gefühl. Auf halber Strecke machten wir Rast. Zeitgleich stoppte ein Bus, offenbar wegen einer Panne. Schnell füllte sich die Straße mit Fahrgästen, die alle nicht wussten, wie sie weiterkommen sollten. Die Stimmung war angespannt. Wir waren die einzigen Weißen, überragten die Einheimischen um Haupteslänge und gaben eine perfekte Zielscheibe ab. Nichts geschah. Aber zum ersten Mal hatte ich eine Ahnung davon, wie sich Schwarze bei uns fühlen müssen.“ (Kontinente)

 
 

Kluge Worte

= Brigitte Kronauer: Man muss die Menschheit lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes Einzelnen einzudringen; es darf einem keiner zu gering und keiner zu hässlich sein, erst dann kann man sie verstehen.

= Dadi Janki: Erst wenn wir das ständige Geplapper in unserem Geist zur Ruhe bringen, können wir wirklich hören, was in unserem Geist vor sich geht und die stille klare Reinheit entdecken, die in der Seele ruht. In der Stille unseres ursprünglichen Seins können wir Harmonie in allen Beziehungen herstellen.

= J.Krishnamurti: Es ist wirklich wichtig, allein spazieren zu gehen, unter einem Baum zu sitzen – ganz für sich allein – um das Fallen eines Blattes zu beobachten, dem Wasser zuzuhören, den Flug eines Vogels zu beobachten. Wenn Sie dazu fähig sind, werden Sie Reichtümer entdecken.

= Achtsamkeit: Wo immer du auch bist – achte darauf, auch wirklich hier und jetzt an diesem Ort zu stehen, dann wird dir das Gefühl der Gelassenheit nicht entgehen.

= Udo di Fabio: Ich plädiere insgesamt für die Neubelebung einer Debatte über den Sinn von Gemeinschaften, auch von religiösen Gemeinschaften, die ja in einer aufgeklärten Welt ihren Wert nicht etwa verlieren. Gemeinschaften müssen Menschen überzeugen, sie ermuntern, sich in Kirchen, Parteien, Gewerkschaften oder Vereinen zu engagieren und ihnen die Treue zu halten und sich nicht beim ersten Anlass abzuwenden und dann an den Staat zu appelieren.

= „Meditation ist keine Droge, die uns unsere konkreten Probleme vergessen lässt. Wenn wir unseren eigenen Geist und unser eigenes Leben intensiv betrachten, können wir allmählich erkennen, was wir tun und was wir lassen müssen, um in uns selbst und in der Gesellschaft wirklichen Frieden herbeizuführen.“

= „Es gibt etwas Wichtigeres als Gedanken und Vorstellungen. Das ist die Freiheit von Vorstellungen. Wenn ein Buddhist irgendeiner Lehre verhaftet ist, und sei es auch eine buddhistische Lehre, begeht er Verrat an Buddha.“

= „Besonders sympathisch am Sozialdemokraten Rorty fand ich seinen entspannten, ehrlichen Wahrheitsbegriff. Der an der Elite-Uni Stanford lehrende Philosoph plädierte für Bescheidenheit und für Abrüstung der Begriffe. Niemand habe einen Zugang zur objektiven Wahrheit. Nur die Debatte, und zwar die möglichst kontroverse, schaffe die Möglichkeit einigermaßen vernünftiger Entscheide. Das „Wesen der Dinge“ und die „Essenz der Wirklichkeit“ würden dem Menschen allerdings notwendig verborgen bleiben. Man sollte also erst gar nicht danach suchen. Alles, was wir wissen, ist relativ, schrieb Rorty, abhängig vom Standpunkt des Betrachters. Wir haben nützlichere oder weniger nützliche Theorien. Es gibt Fakten. Aber was wir als Wahrheit zu bezeichnen uns angewöhnt haben, sind bestenfalls fundierte Überzeugungen, die irgendwann durch andere, vielleicht nützlichere Überzeugungen abgelöst werden.“ (Fundstück)

= „Dem Meister gefiel es stets, wenn Menschen ihre Unwissenheit zugaben. „Weisheit wächst gewöhnlich im Verhältnis zum Bewusstsein der eigenen Unwissenheit“, behauptete er. Als er um eine Erklärung gebeten wurde, sagte er: „Wenn ihr einseht, dass ihr heute nicht so weise seid, wie ihr gestern geglaubt habt zu sein, dann seid ihr heute weiser.“

= „Doch wenn Sie der Tatsache ins Auge sehen, daß Sie und niemand sonst für die Welt und für sich selbst verantwortlich ist, für alles, was Sie denken, was Sie fühlen, wie Sie handeln, dann verschwindet alle Selbstbemitleidung. Normalerweise gedeihen wir dadurch, daß wir andere tadeln, was eine Form der Selbstbemitleidung ist.“

 

Ein bewegendes Leben (Aus dem Buch „Deutsche Künstler im Exil“)

Fred Uhlmann wurde 1901 in einer alteingesessenen jüdischen Familie in Stuttgart geboren. Jura-Studium, 1925 Promotion. Ab 1927 Rechtsanwalt, aktives Mitglied der SPD, u.a. Kontakt zu Kurt Schumacher. 1933 Emigration nach Paris, wo er ein Kinderkino und nach dessen Pleite eine Zoohandlung betreibt und mit Kunst handelt. Er beginnt autodidaktisch zu malen. Mitglied der „Union des Artistes Allemands Libres“. 1936 Aufenthalt in Tossa de Mar/Costa Brava. Emigration nach England. Heirat mit Diana Croft, gegen Widerstand von deren Vater, einem Lord. Mitbegründer des „Artists`Refugee Committees“, das u.a. Oskar Kokoschka zur Flucht aus Prag verhilft, und des „Freien Deutschen Kulturbunds“. Sein Londoner Haus wird Anlaufstelle für viele Emigranten wie z.B. John Heartfield. 1940 zunächst in Ascot, dann auf der Isle of Man interniert, wo er Kurt Schwitters kennenlernt. Zahlreiche Ausstellungen, 1944 z.B. mit Henry Moore. Nach dem 2. Weltkrieg trägt er eine bedeutende Sammlung afrikanischer Kunst zusammen und hat großen Erfolg mit seiner auch verfilmten Novelle „Reunion“ („Der wiedergefundene Freund“) und seiner Autobiographie „The Making of an Englishman“. 1985 in London gestorben.

 

Fußball – Fetischist

= Was ist denn in die FAZ gefahren ? Bisher war sie neben dem Kicker die einzige Zeitung, die sachlich, konstruktiv und manchmal mit Begeisterung über Fußball berichtete. Christian Eichler und Roland Zorn gehören zu den besten Fußball-Journalisten der Welt. Bei Roland Zorn heißt es: „Hochachtung! Da waren nicht nur die Leipziger schwer beeindruckt: Die Leverkusener spielen in Unterzahl mutigen, schönen und erfolgreichen Fußball.“ Und bei Christian Eichler: „Das perfekte Glück. Stürmisch, variabel, selbstbewusst: Der BVB zeigt gegen Mönchengladbach ein kleines Meisterstück. So gut war noch nie ein Bundesliga-Zweiter.“ Nach der Corona-Krise schütten einige Kollegen von Zorn und Eichler ihre Dummheit und Arroganz über dem Fußball aus. Am 30. August veröffentlicht die FAZ a.S. einen ganzseitigen Artikel mit der Riesenschlagzeile:

„Der kranke Fußball. Ablösesummen ohne Realitätsbezug, absurde Gehälter und Fans, die schon vor dem Saisonstart den Meister kennen. Die Bundesliga ist zum Langweiler geworden. Wie wird sie wieder spannend“

(Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Verlogene Fußballwelt: Während in Funktionärskreisen die Korruption regiert, müssen die Spieler moralische Vorbilder sein.“ Und: „Der Sport ist ein verrottetes Geschäft. Und die Leute fangen an, sich von ihm abzuwenden.“)

Soll man sich auf solchen Wortmüll einlassen? Z.B. Ablösesummen: Wenn ein Scheich aus Arabien einem englischen Club 500 Millionen Euro zur Verfügung stellt und wenn dieser Club für 100 Millionen Euro einen Spieler aus der Bundesliga kauft und wenn dieser Bundesligist für 60 Millionen Euro drei Spieler aus der 3. und 4. Liga kauft – dann hat der Scheich vier deutsche Vereine saniert. Und Vereine wie Dortmund und Bayern sind wirtschaftlich erfolgreich, nicht obwohl sondern weil sie auch hohe Ablösesummen zahlen, die sie dann mit den Einnahmen aus Fernsehgeldern und Champions-League mehr als wieder hereinholen. Alle Clubs der Welt träumen davon, Spieler für viel Geld verkaufen zu können. Man sollte den Scheichs und den Milliardären aus Russland dankbar sein.

Außer den Bayern-Fans interessiert es keine Sau, daß Bayern wieder Meister wird. Mich interessiert immer, ob Dortmund in die Champions-League kommt und daß Augsburg in der 1. Liga und Heidenheim in der 2. Liga bleibt und daß Münster wieder in die 3. Liga aufsteigt usw. Die Bundesliga als Langweiler ? Es gibt in Deutschland Millionen Menschen, die den Start der Ligen sehnsüchtig herbeisehnen und für die der Fußball neben der Familie der wichtigste Lebensinhalt ist.

Wie soll ich ohne Fußball meine Zeit verbringen, wenn mir diese Krimis im Fernsehen zum Hals raushängen und wenn ich nie in die Oper gehe. Typen wie ich brauchen Fußball wie die Luft zum Atmen.

Und ich werde es immer wiederholen: Fußball ist die wichigste gesellschaftspolitische und soziale Institution der Welt.

Und es wird Fußball immer noch geben, wenn die letzte gedruckte Zeitung schon lange eingegangen ist.

Lassen wir zum Schluß den ehemaligen Fußballprofi Rolf Eisenfuß Bollmann zu Wort kommen: „Wenn die Leser wüssten, welche zum Teil widerlichen Figuren im Journalismus rumturnen und was für Taugenichtse Artikel schreiben, dann kämen bei ihnen einige Fragezeichen auf. Selbst haben sie ihr Leben nicht im Griff, noch nie irgendwann, irgendwo für irgendetwas Verantwortung übernommen und erlauben sich mit primitiven Artikeln über Menschen zu urteilen, die sie nicht kennen und mit denen sie nie gesprochen haben.“

= Der Philosoph Rüdiger Safranski: „So etwas hätte man sich im 19. Jahrhundert gar nicht vorstellen können. Überall auf der Welt richten Milliarden Menschen ihren ekstatischen Blick auf einen Ball und sehnen den Schuss ins Tor herbei. Leidenschaftliche Entzückung in völlig synchronem Ablauf durch alle Zeitzonen.“

 

Kurz und interessant

= Kanada macht beispielhaft vor, wie man Kinder aus Einwandererfamilien und damit völlig anderen Kulturräumen erfolgreich integriert.

= Als der Massenmörder Josef Stalin im Jahr 1953 starb, kommentierte das die Zeitung „Abend“ aus Österreich wie folgt:

  • „Die ganze Welt steht unter dem Eindruck der Nachricht vom Tode dieses größten Menschen unserer Epoche.“
  • „Das Herz des bedeutendsten Menschen unserer Epoche hat zu schlagen aufgehört.“
  • „Der größte Mensch unserer Epoche lebt nicht mehr.“

= Vor fünf Jahren kam Nesar Ahmad Aliyar ohne deutsche Sprachkenntnisse an den Niederrhein. Jetzt hat der Geflüchtete sein Abitur mit Bestnote gemacht – und bereitet sich auf das Medizinstudium vor.

= Im antiken Griechenland gab es Barrierefreiheit. Schon vor über 2000 Jahren richteten Architekten ihre Bauwerke auf Menschen mit Gebrechen aus.

= Eine Verschwörungstheorie aus Amerika besagt, dass Politiker das Blut von Kindern trinken. Nun erreicht die Theorie Deutschland.

= Eine Erklärung für den unglaublichen Erfolg der amerikanischen Tec-Unternehmen sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Amazon investierte dafür im Jahr 2019 36 Milliarden Dollar + Alphabet (Google) 26 Milliraden Dollar + Microsoft 17 Milliarden Dollar + Apple 16 Milliarden Dollar + Facebook 14 Milliarden Dollar.

= Die größten Nettozahler im EU-Haushalt 2019 waren Deutschland mit 14,3 Milliarden Euro + Frankreich mit 6,8 Milliarden Euro + Großbritannien mit 6,8 Milliarden Euro + Italien mit 4,1 Milliarden Euro. Die größten Nettoempfänger waren Polen mit 12 Milliarden Euro + Ungarn mit 5,1 MilliardenEuro + Griechenland mit 3,7 Milliarden Euro + Tschechien mit 3,5 Milliarden Euro.

= Die deutschen Gerichte bis hin zum Verfassungsgericht werden überrannt mit Klagen gegen und für Windräder, Recht auf Home-Office, Recht auf kostenlose Autobahntoiletten, Recht auf freie Fahrt, Recht auf Schmähung, Recht auf Demonstrationen……………………………….usw.

= Der geschätzte Israeli David Grossman hat wieder Buch geschrieben, das man lesen muss. „Was Nina wusste“ erzählt vom mehrere Generationen überspannenden Leid totalitaristischer Willkür.

= WHO: Algerien und Argentinien malariafrei !

= 380 n.Chr. erklärte Kaiser Theodosius das Christentum im Römischen Reich zur Staatsreligion. Zu dieser Zeit sind Armenien, Georgien und Aksum bereits christliche Staaten.

= Der russische Präsident Wladimir Putin wurde in den letzten Jahren in deutschen und amerikanischen Medien mit folgenden Titeln versehen: Imperialist, Krebsgeschwür, Mafioso, Wahlfälscher, Triumphator, Dieb, Kommandeur einer Schattenarmee, Paria, Geisel seines Regimes, sät Hass und Hysterie, Ikone, Unterdrücker, KGB-Mann, Wladimir Guttenberg, Tödliche Gefahr, Iwan der Schreckliche, Zyniker, Faschist, Nazi, Der Inbegriff des Gangsters, Chauvinist und Bandit.

 

Der Kalte Krieg begann 1944

Viktor Krawtschenko (V.K.) war Beamter bei der sowjetischen Einkaufskommission in Washington und kündigte seinen Job im April 1944 (zwei Monate vor der Landung der Alliierten in der Normandie). Unmittelbar nach seiner Kündigung war V.K. in New York untergetaucht und verbrachte die nächsten zwei Jahre damit, von einem Versteck zum anderen zu wechseln und die Öffentlichkeit über sein Leben in der Sowjetunion und die Gründe für seinen Bruch mit der totalitären Diktatur zu erklären.

V.K.s Buch „Ich wählte die Freiheit“ erschien im April 1946 in New York und wurde in 22 Sprachen übersetzt. Nur die großen Verlage in Paris winkten ab, als ihnen die Rechte angeboten wurden; man wollte sich nicht mit der Sowjetunion und schon gar nicht mit der Kommunistischen Partei Frankreichs anlegen, die bei den Wahlen im November 1946 28,6 Prozent erzielt hatte. Ein kleiner Verlag veröffentlichte das Buch und die aus der Résistance hervorgegangene Zeitung „Combat“ schrieb: „Entweder ist dies alles falsch; dann sollten geeignete Persönlichkeiten so bald wie möglich die Realität dieses Albtraums dementieren. Oder all dies ist wahr, dann erfüllt es uns mit Scham.“ Im November 1947 veröffentlichte die kommunistische Kulturzeitschrift „Les Lettres francaises“ den Artikel „Wie Krawtschenko fabriziert wurde“ und behauptete, das Buch sei eine Fälschung und im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes OSS von russischen Emigranten verfasst worden. V.K. klagte gegen die Zeitschrift und deren Chefredakteur André Wurmser und am 24. Januar 1949 begann in Paris ein Aufsehen erregender Prozess.

Die Beklagten hatten prominente Zeugen aufgeboten, darunter den Schriftsteller Vercors, den Physiker Joliot-Curie, den Philosophen Garaudy, den Erzbischof von Canterbury Dr. Johnson. Der Erzbischof sagte vor Gericht in biblischer Schlichheit: „Wenn V.K. die Wahrheit schreibt, dann habe ich in meinen drei Büchern über die Sowjetunion gelogen.“

Die russische Schriftstellerin Nina Berberowa, die für die in Paris erscheinende Exilzeitschrift „Ruskaja Mysl“ (Russisches Denken) den Prozess verfolgte, schrieb später in ihren Erinnerungen: „Mit eigenen Ohren anzuhören, wie ein ehemaliger Minister oder ein weltbekannter Wissenschaftler, Träger des Nobelpreises, oder ein Professor der Sorbonne, die Ehrenlegion am Revers, oder ein berühmter Schriftsteller zuerst den Zeugeneid ablegte, um dann zu versichern, daß es in der Sowjetunion keine Straflager gebe und niemals gegeben habe, war einer der stärksten Eindrücke meines Lebens.“

Der Richter fragte einen Zeugen, der 14 Jahre Zwangsarbeit (zuletzt beim Bau des Weißmeer-Kanals) hinter sich hatte: „Wie viele Gefangene gab es in dem Lager, wo Sie waren?“ – „Etwa achthunderttausend.“ – „Welches Ausmaß hatte dieses Lager?“ – „Der Kanal war 280 Kilometer lang. Das war das Lager.“ Margarete Buber-Neumann, die drei Jahre Sibirien und fünf Jahre Ravensbrück überlebt hatte, schätzte, dass „ihr“ Lager zweimal so groß wie Dänemark war.

Jean-Paul Sartre stellte in seiner Zeitschrift „Les Temps modernes“ den sowjetischen Lagern, die nicht länger in Abrede gestellt werden konnten, die Gefangenenlager auf griechischen Inseln während des Bürgerkrieges und die Untaten der Kolonialmächte gegenüber. Sartre: „In jedem Fall steht die Sowjetunion „grosso modo“ auf der Seite derjenigen, die gegen die Ausbeutung des Menschen kämpfen.“ Mehrere berühmte Intellektuelle wie Raymond Aron und Francois Mauriac vermieden es, klar Stellung zu beziehen; die unausweisliche Tatsache der Vergleichbarkeit der beiden totalitären Regime sprach vor Gericht kein bedeutender Denker aus, sondern ein ukrainischer Schlosser: „In Hitlers Deutschland, wo wir Dachau und Buchenwald gesehen haben ist ein Diktator gestürzt worden. Ich sage Euch: In Stalins Rußland gibt es hunderte Buchenwalds.“

Nach 25 Verhandlungstagen wurden die Beklagten in allen Punkten der Verleumdung für schuldig befunden.

30 Jahre später nannte Claude Morgan, der sich nach der Niederschlagung des Ungarn-Aufstands 1956 von der kommunistischen Partei getrennt hatte, seinen Parteigenossen André Ulman als Urheber der veleumderischen Fälschung: „Sie haben Recht gehabt, Krawtschenko!“

Viktor Krawtschenko beging am 26. Februar 1966 in einem New Yorker Hotel Selbstmord. Sein Fall hatte eine Bresche in die Mauer des Schweigens geschlagen, die nicht mehr zu schließen war.

 

Amerikanische Notizen

= „Schwarze Flaggen – Der Aufstieg des IS und die USA“. Zu diesem Buch von Joby Warrick (Theiss-Verlag) ein Zitat aus einer Buchkritik:

„Selbst Japan konnte nur durch den Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki besiegt werden, „konventionell“ hatten die amerikanischen GIs es nicht geschafft, und alles Nachfolgende ging für sie, um es salopp zu sagen, in die Hose: Korea, Vietnam, Afghanistan, Irak, Libyen, Jemen, Syrien. Ohne die Mittelalterlichkeit der saudi-arabischen Kollektivmoral und Gesellschaftsordnung wäre der „islamische Staat“ undenkbar. Alle Vordenker auf diesem Gebiet sind entweder Saudis oder saudische Sympathisanten. Kurioserweise sind eben diese merkwürdigen Saudis die besten Freunde des USA geblieben.“

= In den 1970er Jahren hatte die Sowjetunion Teile von Afghanistan besetzt; dann unterstützten die USA die Muhaschedin mit Waffen und Geld und die Sowjets konnten aus Afghanistan vertrieben werden.

= Tausende europäische Konzerne, die in den USA tätig sind und tausende US-Investoren, Unternehmen, Agenturen und Berater, die in der EU tätig sind, unterliegem dem US-Patriot Act und anderen Ausführungsgesetzen, die US-Recht über jedes andere nationale Recht setzen. So entging der Daimler-Konzern durch die Strafzahlung von 180 Millionen US-Dollar einer Verurteilung – unter der Bedingung, dass Daimler seine 280.000 Mitarbeiter auf allen Kontinenten und sämtliche Lieferanten den US-Anti-Terror-Auflagen unterwirft – vorbei an den Gesetzen der EU und Deutschlands. Drei Jahre lang setzte die US-Heimatschutzbehörde den Ex-FBI-Direktor Louis Freeh als Aufsicht in der Compliance-Abteilung des Konzerns ein. Daimler ist weiter berichtspflichtig, etwa was die Gehaltszahlungen und Kontobewegungen seiner Mitarbeiter betrifft.

= Wolfgang Büchele, Vorsitzender des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, rechnete vor, dass die Sanktionen gegen Russland seit 2014 Europa in dreistelliger Milliardenhöhe geschädigt haben.

= Schon in den 1950er Jahren herrschte in den USA ein bedrückendes politisches Klima; Alber Einstein sagte dazu: „…… ich sehe offengestanden nur den revolutionären Weg der Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit im Sinne von Gandhi: Jeder Intellektuelle, der vor ein Komitee geladen wird, müste jede Aussage verweigern, weil diese Art von Inquisition gegen den Geist der Verfassung verstößt.“

= Der amerikanische Schriftsteller Kurt Andersen im SPIEGEL: „Dass Amerika so unglaublich religiös ist, viel stärker als alle anderen westlichen Gesellschaften, hat sehr zur Entwicklung beigetragen. Die christliche Rechte hat die Evolutionslehre völlig in Misskredit gebracht. Statt die wissenschaftliche Sichtweise auf die Welt befördert sie eine abstruse „Kreatonistische“ Entstehungslehre. Die Republikaner sind heute überwiegend eine Partei weißer Protestanten und die extreme Orthodoxie ihres Glaubens korrespondiert mit der extremen Faktenfeindlichkeit unter der Trump-Anhängerschaft.“

= Bruce Schneier/US-Verschlüsselungsspezialist: „Kein anderes Land hat eine so große Spionagefähigkeit wie die USA. Das Budget der NSA ist noch immer größer als das aller anderen Staaten zusammen. Und die USA haben noch immer diese einzigartigen globalen Allianzen.“ (NZZ)

= Der amerikanische Präsident Donald Trump verschärft die Kritik an Deutschlands Gasimporten aus Russland: „Es ist furchtbar, was Deutschland macht, es ist ein furchtbarer Fehler! Deutschland zahlt Milliarden Dollar in die russischen Kassen.“

= Der Finanzfachmann Ulrich Wippermann war bis 2014 im Vorstand der Deutschen Forfait in Köln tätig und war zuständig für die Exporte deutscher Güter in den Iran. Daraufhin wurde er vom Finanzministerium der USA auf die Schwarze Liste der „Specially Designated Nationals“ gesetzt; Begründung: Terrorfinanzierung und Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Tatsächlich war Wippermann für den Export von Firmen wie Sanofi und Siemens zuständig. Dennoch musste ihn seine Firma wegen der „Schwarzen Liste“ entlassen.

= „Eine kleine Gruppe unerschrockener schwarzer Intellektueller mahnt, dass „Black Lives Matter“ Opfer des eigenen Erfolgs zu werden droht. Die Tötungen durch Polizisten sind nicht ausschließlich rassistisch motiviert. Bei einer Bevölkerung von 328 Millionen wurden 2019 landesweit 1003 Menschen von der Polizei erschossen. 405 davon waren Weiße, 250 Schwarze, 163 Hispanics und 185 andere. Der Anteil der Afroamerikaner in dieser Statistik ist mit 25 Prozent überpropotional – gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil von 13 Prozent. Das hat aber weniger mit ihrer Rasse zu tun, sondern mit der „sozioökonomischen Entsprechung“. Etwa 20 Prozent der Afroamerikaner leben in Armut und etwa 9 Prozent Weiße. Der Rassenkonflikt wird somit zum Klassenkampf, der durch politische und soziale Massnahmen korrigiert werden kann. An den fremd- wie selbstverschuldeten Misständen in der „Black Community“ hat sich seit den 1960er Jahren wenig geändert. Schwarze kompetente Intellektuelle könnten der Debatte jetzt zur politischen Substanz verhelfen.“ (NZZ)