Chancen-Gerechtigkeit

In der deutschen Gesellschaft geht es ziemlich gerecht zu – allerdings mit der Ausnahme, dass die Chancengerechtigkeit in den letzten Jahrzehnten kaum verbessert wurde.

Es gibt zwei Aspekte, die unser Leben im Guten wie im Bösen prägen: Das sind die ererbten Gene und die Lebensverhältnisse, in die ich hineingeboren werde. Die Wissenschaft streitet darüber, welcher der beiden Aspekte mehr Gewicht hat. Für mich ist das nicht relevant, weil ich weder etwas dafür kann, wenn ich „schlechte“ Gene geerbt habe, noch dafür, dass ich in einem katastrophalen Umfeld aufwachse.

Wir wissen heute, dass schon im Mutterleib mentale Prägungen beginnen (bereits im Alter von zwei Tagen können Neugeborene den Duft ihrer Mutter von fremden Frauen unterscheiden) und dass die ersten Wochen, Monate und Jahre entscheidend sind für die seelische Entwicklung; dabei geht die Kurve von oben nach unten: die Einflüsse des Umfelds sind am Lebensanfang sehr groß und nehmen dann bis zur Pubertät ab; danach geht kaum noch was.

Mir sind keine seriösen Analysen bekannt, aber nach meiner Einschätzung wachsen circa drei bis vier Millionen Kinder in Familien auf, wo verbale und körperliche Gewalt und mentale Verwahrlosung alltäglich sind; die deutsche Beobachtungsstelle für Drogensucht meldet, dass zweimillionensechshundertfünfundsechzigtausend Kinder in alkoholbelasteten Familien aufwachsen; diese Kinder befassen sich täglich mit widerwärtigen Videospielen – z.B. mit „Shooterspielen“, wo d a s Kind gewinnt, das möglichst vielen Gegnern ins Gesicht geschossen hat; harte Pornos kommen dann bald dazu. Ein paar Zitate zum Thema:

  • „Schläge auf die Gene – die Kindheit prägt einen Menschen viel mehr, als man vermuten würde. Misshandlung hinterlässt deutliche Spuren im Gehirn, wo Forscher sie auch im Erbgut entdecken.“
  • „Zu Hause in einem Müllberg. In Deutschland werden immer mehr verwahrloste Kinder entdeckt.“
  • „Die extreme Verwund- und Formbarkeit eines Kleinkindes erlaubt Einwirkungen, die zum Guten wie zum Bösen disponieren.“
  • „Ein Kind, das mit seinen Signalen nicht ankommt, das erleben muss, wie sie uminterpretiert werden je nach den Bedürfnissen und Ängsten der Eltern, baut kein gutes Selbstwertgefühl auf; es lernt nicht, seinen Reaktionen zu trauen.“
  • „Ökonomie des frühen Eingreifens. Die Familie ist laut Wirtschaftsnobelpreisträger James Heckman entscheidend für späteres Glück oder Unglück. Kinder aus schwierigen Verhältnissen müsse man darum früh staatlich betreuen. Denn wenn ihre Gehirnzellen nicht stimuliert werden, entwickeln sich diese kaum. Die Hauptquelle von Not im Leben eines Kleinkindes ist magelnde Stimulation:“
  • „…………diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen reagieren verständnislos bis aggressiv, wenn ihnen in Schule oder Beruf Anforderungen abverlangt werden, die dem bisherigen verinnerlichten Selbstverständnis von einem problem-, hindernis- und anstrengungslosen Lebensweg nicht entsprechen. A b e r : Für diese Einstellung mit ihren daraus resultierenden Verhaltensweisen und den vielfach fatalen Folgen in individueller wie auch gesamtgesellschaftlicher Hinsicht ist am allerwenigsten diese Jugend selbst verantwortlich zu machen; diese Situation ist nicht von ihr kreativ gewollt und nicht aus sich selbst heraus entstanden.“-
  • „Es gibt zwar viele Risikofaktoren für Entwicklung zur Gewalt, verhindert wird sie nur durch emotionale Anbindung, institutionelle Einbindung mit Gewinnchancen und die Ermöglichung jugendgemäßer konventioneller Betätigung.“
  • „Etwa 5,5 Stunden täglich verbringen Jugendliche in Deutschland heute mit digitalen Medien. Wie die Gehirnforschung zeigen kann, behindert ein Leben „Online“ nicht nur das Lernen und die Konzentration, sondern auch das s o z i a l e V e r h a l t e n. Zur Dummheit gesellt sich eine merkwürdige Dumpfheit.“
  • „Vierfach werden Schüler aus unteren sozialen Schichten bestraft: Zunächst durch ihre Herkunft, dann durch die ungerechte Selektion am Ende der Grundschule, dann durch die schlechten Bedingungen an den Hauptschulen und dann lebenslang durch die geringsten Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“ (Jedes Jahr verlassen über 60.000 Schüler die Hauptschule ohne einen Abschluss)
  • „Oft wird der Einzelgänger nicht deswegen ausgeschlossen, weil er sich unsozial verhält, sondern erst die Ausgrenzung macht ihn aggressiv, egoistisch oder sogar dümmer als zuvor.“

Was müsen wir tun? Auch dazu ein paar Zitate:

  • Bis zum 16. Lebensjahr gehen alle Schüler in eine Gemeinschaftsschule. Was soll die Teilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium? Warum teilen wir die Kinder in dumm, dümmer und schlau?
  • „Bildung ist der Schlüssel! In der Schule sollen sie nicht nur gesundes Essen bekommen, sondern auch lernen, wie man es kocht. Insbesondere Jungen müssen zu größerer Familienfähigkeit erzogen werden. Das fängt mit der Verhütung an und reicht hin bis zur gewaltfreien Lösung von Konflikten.“
  • „Man muss die Kinder nicht die ganze Zeit mit Wissen füttern, man muss ihnen auch nicht sechs Sprachen beibringen. Eher als ständiger Unterricht hilft den Kindern sozialer Austausch. Lassen Sie Ihre Kinder mit anderen spielen, bei anderen übernachten, das ist geistig anspruchsvoller als sechs Stunden Geigenunterricht.“
  • „An einer Schule in Heidelberg unterrichten Theaterschauspieler, Leistungssportler und Familientherapeuten, damit die Schüler lernen, was Glück ist.“
  • „Ertragen ist mutiger als schlagen. Ein beeindruckender Dokumentarfilm („Der Zorn junger Männer“) zeigt den Erfolg von Anti-Aggressivitäts-Training bei jungen Straftätern.“
  • Die wichtigste Therapie mit der besten Kosten/Nutzen-Relation ist Mannschaftssport: Fußball, Basketball und Handball. Wir müssen es unbedingt schaffen, alle Kinder in Ganztagsschulen unterzubringen; die Hausaufgaben sind i n der Schule unter Aufsicht der Lehrer zu erledigen und die Lehrer sind für die Noten ihrer Schüler mitverantwortlich. Vor allem aber wird viermal in der Woche Mannschaftstraining eingeplant; alles lernen die jungen Leute hier: Verlieren, gewinnen, Loyalität, Kameradschaft, soziales Verhalten („Der Starke beschützt den Schwachen“), Disziplin, Pünktlichkeit, gesunde Ernährung. Dieser Mannschaftssport kann in den Schulen stattfinden, wenn geeignete Lehrer und Sportplätze zur Verfügung stehen; er kann aber auch an die Sportvereine delegiert werden, wenn der Staat die entsprechenden Kosten an die Vereine erstattet. Eine wunderbare Seelen-Medizin für alle Menschen (auch für die Alten!) ist singen; alle Schulen sollten Chöre organisieren. Alle Eltern sollten ihre Kinder zu den Pfadfindern schicken – dort können sie dann „Wir wollen niemals auseinander gehn“ oder „Jenseits des Tales“ am Lagerfeuer singen. Die DVD „Die Kinder des Monsieur Matthieu“ ist die ideale Motivation!

Der Fußball-Ex-Profi Ewald Lienen zum Thema: „Ich sage seit Jahrzehnten, dass wir viel zu wenig in den Breitensport, in den Schulsport, in den Gesundheitssport und insbesondere in die Jugendbildung durch Sport investieren. Sport ist die größte Möglichkeit, Jugendliche zu erziehen, ihnen nahezukommen, überhaupt Einfluss auf sie zu haben. Durch das Sporttreiben können wir ihnen wichtige Werte wie gegenseitige Achtung und Respekt vermitteln. Dazu müssen wir die Sportvereine finanziell deutlich besser unterstützen. Im Grunde hat das Internet die Weltherrschaft übernommen und wir verlieren Zugang und Einfluss.“

 

Das muss wahre Liebe sein

Bei einem Tanzabend im Juli 1918, kurz nach ihrem High-School-Abschluß, lernte die siebzehnjährige Zelda Sayre Francis den 22-jährigen Leutnant der US Army Scott Fitzgerald kennen. Er war sofort verknallt, sie weniger. Angesichts der Veröffentlichung seines erfolgreichen Debütromans „Diesseits vom Paradies“ zerstreuten sich jedoch ihre Zweifel bezüglich seiner beruflichen Aussichten, und sie versprach ihm, seine Frau zu werden. Die beiden wurden ein prominentes Paar der „Goldenen Zwanziger“, ergingen sich in Alkoholexzessen und ständigen Streitereien, was ihnen im Lauf der Ehe, die als eine der stürmichsten der Literaturgeschichte gilt, zur Gewohnheit wurde. Den folgenden Brief schrieb Zeida 1920 nach einem Streit und nur sechs Monate nach ihrer Hochzeit:

„Ich blicke die Gleise entlang und sehe dich kommen – und aus all dem Dunst & Nebel heraus eilen mir deine lieben zerknitterten Hosen entgegen – ohne dich , mein liebster Liebster konnte ich nichts sehen oder hören oder fühlen oder denken – oder leben – ich liebe dich so und niemals in unserer beider Leben werde ich es zulassen, dass wir eine weitere Nacht getrennt verbringen. Ohne dich ist es, als wollte man einen Sturm um Gnade anflehen oder die Schönheit morden oder alt werden. Ich will dich so sehr küssen – hinten an deinem lieben Haaransatz und auf deine Brust – ich liebe dich – und ich kann dir nicht sagen wie sehr – der Gedanke, ich werde sterben, ohne dass du davon weißt – Goofo, du m u s s t versuchen, ebenso stark zu fühlen wie ich – wie leblos ich bin, wenn du fort bist – ich kann diese abscheulichen Menschen nicht einmal hassen – niemand hat das Recht zu leben außer uns – und sie verschmutzen unsere Welt, aber ich kann sie nicht hassen, weil ich dich so sehr will – komm rasch – komm rasch zu mir – ich könnte niemals ohne dich sein, wenn du mich hassen würdest und von Wunden übersät wärst wie ein Aussätziger – wenn du mit einer anderen Frau durchbrennen, mich verhungern ließest und mich schlagen würdest – ich würde dich immer wollen, das weiß ich – Liebster, liebster Darling – Deine Frau“

 
 
 

Die Welt ist ein Dorf

= Indonesien will Predigern verschiedener Religionen künftig Zertifikate verleihen. In dem Land mit den meisten Muslimen weltweit – über 200 Millionen – gibt es seit Jahrzehnten radikalislamische Tendenzen und eine schwindende religiöse Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Mit dem Prediger-Zertifikat will das Land seine fünf Prinzipien stärker im Bewusstsein der Gläubigen verankern: Diese sind Glaube, Humanismus, Einheit, Demokratie und Gerechtigkeit. Sie werden als „Pancasila“ bezeichnet und gelten als geistiges Fundament des Vielvölkerstaates, der offiziell kein islamischer Staat ist.

Das Zertifikate-Verfahren ist mit 8200 beteiligten Predigern aller anerkannten Religionen – Islam, Christentum, Buddhismus, Hinduismus und Konfuzianismus – gestartet. Der katholische Priester Antonius Benny Susetyo, der an dem Projekt beteiligt ist, sagt: „Religionsführer in Indonesien müssen Predigten halten, in denen es um die Werte der Pancasila und der interreligiösen Harmonie geht.“ (C.i.G.)

= Im Sudan soll der Islam nicht mehr Staatsreligion sein. Das Land sei eine „multiethnische, multireligiöse und multikulturelle Gesellschaft“, erklärte die Regierung. Kein Bürger dürfe wegen seiner Religion benachteiligt werden. Bereits im Juli wurde die Todesstrafe für den „Glaubensabfall“ vom Islam gestrichen. Ungefähr 70 Prozent der Sudanesen sind Muslime.

Die Trennung von Kirche und Staat ist eine Forderung von sudanesischen Rebellen, die mit der Regierung nach einem 17-jährigen Bürgerkrieg einen Friedensvertrag unterzeichnet haben. Die Rebellen fordern mehr Selbstbestimmung für die Minderheiten, darunter auch Christen. Dem im vergangenen Jahr gestürzten radikalislamischen Diktator Omar al-Baschir werden vom Internationalen Gerichtshof Völkermord und Kriegsverbrechen vorgeworfen; allein in der Region Dafur starben über 300.000 Menschen. (C.i.G.)

= In Burkina Faso, Mali und Niger gab es im ersten Halbjahr bereits 85 mutmaßlich dschihadistische Angriffe auf Schulen. Das meldet eine „Globale Koalition zum Schutz der Bildung vor Angriffen“. Häufig werden Schüler und Lehrer entführt und mit dem Tod bedroht, die Schulgebäude niedergebrannt oder als Kasernen genutzt; Schülerinnen und Lehrerinnen sind von Vergewaltigungen und Zwangsheiraten betroffen. In den drei Ländern gibt es radikalislamische Gruppen, darunter auch den „Islamischen Staat“. C.i.G.)

= Die Guerilla bittet die Opfer um Vergebung: „Wir können uns den tiefen Schmerz und die Qualen der Söhne und Töchter derer vorstellen, die von der FARC entführt wurden.“ Mit diesen Worten hat die ehemalige kolumbianische Guerilla-Organisation die Opfer ihrer Geiselnahmen um Vergebung gebeten. Die Entführungen seien ein schwerer Fehler gewesen, der nur Verletzungen in der Seele der Betroffenen hinterlassen und die Glaubwürdigkeit und Legitimität der eigenen Anliegen beschädigt habe.

Ende 2016 war zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC ein Friedensabkommen unterzeichnet worden. Die entwaffnete FARC sitzt inzwischen als politische Partei im Parlament. (C.i.G.)

= Ebola-Helfern wird sexuelle Ausbeutung vorgeworfen. Übergriffe von Mitarbeitern internationaler Organisationen in Kongo-Kinshasa. (NZZ)

= Hoffnung für Italien !?!? Die NZZ schreibt: „Italiens Populisten sind entzaubert. In der Corona-Krise haben die Italiener erkannt, dass laute Polemik und abgedroschene Feindbilder wenig bringen. Sie wählen wieder vermehrt unaufgeregte Politiker, die mit ihrem Leistungsausweis überzeugen. Die Italiener wählen wieder mehr mit dem Kopf als mit der Wut im Bauch.“ Drücken wir den Italienern die Daumen !!!

 
 
 

Der Birkenrindenbrief

Bei archäologischen Grabungen wurde im Jahr 1951 im historischen Ortskern der russischen Stadt Nowgorod ein persönlicher Brief gefunden, der in ein Stück Birkenrinde eingeritzt war und der einer von über tausend solchen Briefen ist, die auf das 14. Jahrhundert datiert werden. Der Text dieses in einer unerforschten altostslawischen Sprache verfassten Briefes lautet:

„Ergebene Grüße von Gawrila Posenya an meinen Schwager Grigori und meine Schwester Ulita. Wollt Ihr mir nicht die Feude machen, unser Wort nicht zu vergessen und in die Stadt zu kommen? Gott gebe Euch Glück. Wir alle vergessen Euer Wort nicht.“

 
 

Fußball – Fetischist

Das Spiel unserer National-Mannschaft gegen die Schweiz war eine Katastrophe. Dieser Bundestrainer hat alles falsch gemacht, was möglich war! Für seinen Kollegen aus der Schweiz war es einfach, seine Spieler auf Löws körperlosen Guardiola-Fußball einzustellen; die Deutschen wurden auf dem ganzen Platz gejagt und hart attackiert, sind nicht eine Sekunde von ihrem Stil abgewichen und waren daher sehr berechenbar. Herr Löw sollte in Rente gehen !

= David Hockney ist ein zweitklassiger Maler. Jetzt habe ich gelesen, dass eines seiner Gemälde für lächerliche 18 Millionen Pfund verkauft wird. Ich gönne Herrn Hockney die Kohle; aber mich kotzt es an, wenn die sogenannte Hochkultur weltweit von Steuergeldern mit Milliarden Euro in Museen und Theatern gefördert wird, während sich unser geliebter Fußball, der auf der Welt Milliarden Menschen glücklich macht, für selbst finanzierte Ablösesummen und Gehälter rechtfertigen muss. Dabei wird auch der Amateurfußball oft vergessen. Millionen Kinder und Jugendliche und Erwachsene auf der Welt lernen dort Werte kennen, die man im Leben braucht: Orientierung, Gemeinschaft, Regelwerk, Fairplay, Respekt. Allein in Deutschland leisten tausende Ehrenamtliche herausragende Arbeit; sie stärken die Gemeinschaft, schaffen Integration, vermitteln grundlegende Regeln unseres Zusammenlebens. Dafür ist SV Rot-Weiß Viktoria 08 aus Berlin ein gutes Beispiel:

Der Verein ist erst gut zehn Jahre alt, hat schon über 3000 Mitglieder, die aus 85 Kulturkreisen stammen und engagiert sich z.B. beim Projekt „1:0 für ein Willkommen“. Das Programm für Flüchtlinge „Gemeinsam spielen, gemeinsam leben“ ist beispielhaft: Dort gibt es interkulturelle Work-Shops, Sprachunterricht, Austausch über die Kulturen der alten und neuen Heimat, Umgangsformen, Sprache, Religion. Viktorias Jugendleiter Elias Bouziane: „Fußball ist ein einfaches Mittel zur Verständigung. Sport kennt nur eine Sprache und das ist die Gemeinsamkeit.“

= Der in Hamburg als Sohn türkischer Einwanderer geborene Schauspieler Fahri Yardim liebt den Fußball als „unnachahmliches Drama“ über alles. „Bei mir jodeln die tiefsten Kammern des Herzens. Fußball, du geiles Opium!“

= Nicht alle Fußball-Profis sind Intelligenz-Bestien; manche lassen sich von Medien nach ihrer Verrentung als Nestbeschmutzer benutzen. Beispiel Mario Basler: „Es geht um zu viel Kohle, der Kommerz hat den Fußball total im Griff. Ich hätte noch zwei Jahre spielen können, kam mit dem Zirkus aber nicht mehr klar, er hat mich teilweise nur noch angekotzt.“ Oder Oliver Kahn: „Nur wer wie jeder abstumpft in diesem Geschäft, kommt durch.“ (Das hat Kahn vor seinem neuen Job bei Bayern abgesondert) Oder Thomas Berthold: „Die Fans mucken unaufhörlich auf gegen die, die papstgleich Wasser predigen und Wein trinken.“ Oder Peer Mertesacker, der ausgerechnet den Fußball-Hassern vom SPIEGEL ein Interview gibt und dort über den Druck, das Leid und die Versagensangst als Fußball-Profi spricht.

 
 

Frauen-Quote: Gegenstimmen

= Ein Abschluss im Fach Informatik kommt einer Jobgarantie gleich. Von den 120.000 Studenten im Fach Informatik sind nur 22.000 Frauen.

= Bei Autorinnen, Ärztinnen und Redakteurinnen wollen Frauen begreiflicherweise dabei sein – nicht aber bei Mörderinnen, Diebinnen und Müllmännerinnen.

= Bundesaußenminister Heiko Maas: „Frauen sind ein Gewinn für die Wirtschaft: Mit der Quote geben wir den Anstoß zu einem notwendigen Kulturwandel in Deutschlands Unternehmen.“ Wer – wie Herr Maas – noch nie eine Firma von innen gesehen hat, kann den Kulturwandel unglaublich gut beurteilen.

= Frauen sind keine Behinderten. Der Ruf nach „Mehr Frauen in der Wirtschaft“ ist ebenso sexistisch wie die Parole „Frauen an den Herd.“ Um jeden Preis sollen Frauen ins Berufsleben gedrängt werden. Wozu eigentlich?

= Eine Studie über die Folgen der 40-Prozent-Frauenquote in Norwegen kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Der politisch erzwungene Austausch des Topmanagements hat den Unternehmen erheblich geschadet.

= In Schweden wurde die Quotenregelung an den Unis abgeschafft, weil sie Frauen benachteiligt. Viel mehr Frauen als Männer wollten z.B. Medizin studieren; da es eine 50/50-Quote gab, musten viele Frauen abgewiesen werden.

= Für die Aussage, dass seiner Meinung nach – und wie auch viele Studien belegen – Frauen nicht dieselben mathematischen Fähigkeiten besäßen wie Männer, verlor Larry Summers, Präsident der Harvard-Universität seinen Job. (Bei den besten 0,01 Prozent der amerikanischen SAT-Teilnehmer im Mathe-Test kommen auf eine Frau etwa vier Männer.)

= Warum gründen so wenig Frauen Unternehmen? Dann sind sie gleich ganz oben!

= Karen Horn: „Die Quote ist ein erniedrigendes Privileg.“

= Katja Oskamp: „Mit Quoten wird die einzige Eigenschaft von uns gefördert, für die wir nichts können: weiblich zu sein. Das ist nicht Fortschritt, sondern Regression.“

Florian Schilling – Partner von Board Consultants International: Warum nur eine Frauenquote? Nun wird auch noch eine Frauenquote für Vorstände gefordert! Damit tritt genau das ein, was Skeptiker schon bei der Diskussion um die Frauenquote für Aufsichtsräte befürchteten: Wenn mal einmal damit anfängt, Positionen nach gesellschaftlichem Proporz anstatt nach Qualifikation zu besetzen, wird dieses Prinzip immer weiter ausgedehnt. Auch die bisherige Beschränkung auf Großunternehmen ließe sich argumentativ nicht aufrechterhalten; wenn eine Quote notwendig und richtig ist, warum sollten dann kleinere Unternehmen nicht in ihren Genuss kommen. Warum sollte man bei der Frauenquote halt machen? Alter, Konfession und sexuelle Orientierung dürften nicht weniger wichtig sein und müssten demnach in entsprechenden Quoten berücksichtigt werden. Angesichts eines steigenden Migrantenanteils ist nach dieser Logik nicht einzusehen, warum diese Gruppe in Führungspositionen nicht angemessen repräsentiert sein soll. Und dann stellt sich die Frage, warum das nur für Unternehmen gelten soll? Was ist mit der Fußballnationalmannschaft? Die Exportnation Deutschland muss sich im globalen Wettbewerb genau so durchsetzen, wie die Fußballer. Wer will, dass deutsche Unternehmen erfolgreich in der internationalen Champions-League spielen und dadurch hierzulande Arbeitsplätze und Wohlstand sichern, sollte ihnen die Freiheit lassen, die besten Führungskräfte auch zukünftig frei von gesetzlichen Vorschriften auswählen zu können.

 
 
 

Nur ein Vogelschiss

Christopher Browning: Ganz normale Männer.

Am 13. Juli 1942 verließen die Männer des Reserve-Polizeibataillons 101 ihre Unterkünfte im besetzten Polen, um die nahegelegene Ortschaft Józefów zu umstellen. Als Einheit der deutschen Ordnungspolizei zuständig für Sicherheitsaufgaben im besetzten Gebiet, erfuhren sie erst auf dem Marktplatz der Kleinstadt das Ziel ihres Einsatzes. Das Bataillon, erklärte sein kommandierender Offizier, solle alle Juden des Ortes zusammentreiben, die Männer im arbeitsfähigen Alter „aussondern“ und die übrigen – Frauen, Kinder, Säuglinge und Greise – auf der Stelle erschießen.

Bis auf wenige empfanden die 500 Männer der Einheit, die seit drei Wochen in Polen waren, den Befehl als Schock. Aufgewachsen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik gehörten sie nicht zu den überzeugten Nationalsozialisten und hatten, wenn überhaupt, erst 1933 den Schritt in die NSDAP gemacht. Zugehörig zum Mittelstand und zur Arbeiterschaft, waren sie als Angestellte, Lehrer, Handwerker und Facharbeiter für den Dienst an der Front zu alt und man hatte sie daher zur Polizei eingezogen.

Am Abend desselben Tages waren 1500 Bewohner von Józefów tot. Mehr als 12 Stunden lang hatten die Polizisten ihre Opfer in ein nahegelegenes Waldstück geführt, ihnen die Spitzen ihrer aufgepflanzten Bajonette in den Nacken gesetzt und die nackten Frauen, Kinder und Greise erschossen. Sie taten es freiwillig, denn zuvor war ihnen gesagt worden, dass sie den Befehl nicht ausführen mussten.

Dies war der erste von vielen Einsätzen, in denen die Angehörigen des Reserve-Polizeibataillons 101 zwischen Juli 1942 und November 1943 mehr als 38.000 Menschen erschossen und erschlugen und weitere 45.000 aus ihren Häusern und Verstecken in Viehwaggons trieben, um sie in die Gaskammern von Treblinka zu schicken.

Mit erdrückender Genauigkeit verfolgt Christopher Browning über einen Zeitraum von 16 Monaten hinweg die Täter und ihre Einsätze in den kleinen Orten und in den Ghettos der größeren Städte. Und er fragt, was die Mitglieder dieser Truppe, die weder zu den Fanatikern des Dritten Reiches noch zur SS oder zu den Mannschaften in den Konzentrationslagern gehören, was diese ganz normalen Männer und Familienväter dazu bringt, Mord und Totschlag zu ihrem alltäglichen Handwerk zu machen.

 
 

Zur aktuellen Lage

= Corona wird uns persönlich noch einige Monate einschränken und belasten. Jeder Mensch, der dem Virus zum Opfer fällt, ist einer zuviel; die dafür Verantwortlichen, die ihre Hochzeiten in großem Stil feiern mussten oder die nicht auf ihre Partys verzichten wollten, können leider nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn wir ab sofort die strengeren Vorschriften respektieren und praktizieren, dann schützen wir uns und unsere Mitmenschen und haben die Chance, die Gefahren zu minimieren – bis eine Impfung für alle zur Verfügung steht.

Und wir haben die Chance, unsere Wirtschaft und damit uns alle vor noch größerem materiellen Schaden zu bewahren; wir können die Arbeitslosigkeit wieder eindämmen und ebenso auf das Vorkrisen-Niveau bringen wie unser Bruttosozialprodukt.

Unsere Regierung hat mit ihren schnellen Entscheidungen eine noch größere Krise verhindert: Vom Kurzarbeitergeld bis zur Rettung von tausenden Firmen vor der Pleite. Die üblichen Experten und Medien kommen natürlich aus ihren Löchern und diffamieren die politischen Entscheidungen und malen – wie vor zehn Jahren nach der Finanzkrise – wieder das Szenario unserer Staatspleite an die Wand. So ist z.B. in einer Wirtschaftszeitschrift wieder von „Billionen-Schulden“ und galoppierender Inflation die Rede; diese Typen haben ihre Artikel vom Jahr 2010 einfach abgeschrieben.

Einige andere europäische Länder sind noch härter betroffen als Deutschland; umso mehr passt der vor der Krise beschlossene Europäische Wiederaufbauplan, der in diesen Wochen im Detail besprochen und entschieden wird, in diese Zeit !!

Auch die Geldpolitik der EZB hält die Euro-Zone zusammen und ihre Wirtschaft am Laufen- davon profitieren wir alle. Genau so wie nach der Finanzkrise vor zehn Jahren !!

Deutschland wird seine wegen der Corona-Krise aufgenommenen Schulden schneller zurückzahlen, als viele vermuten und im Jahr 2022 ist wieder von der Schwarzen Null die Rede und auch das wird wieder mit der Äußerung kritisiert werden: „Wir müssen investieren.“

= Typisch Grün: Spring ins Wasser und mach dich nicht nass !! Die Grünen-Spitze verlangt den Bau-Stopp für neue Autobahnen und Bundesstraßen, obwohl die betroffenen Regionen im ländlichen Raum mit schnellen und modernen Verkehrswegen Anschluss finden und nicht abgekoppelt werden sollen. Daß mit einem Baustopp Staus auf den Straßen verfestigt und damit Umweltschäden vergößert werden – das passt nicht in das Propagandakonzept der Grünen. Selbst der bereits begonnene Weiterbau der A49 in Hessen soll gestoppt werden. Der grüne hessische Landesverkehrsmnister Tarek Al-Wazir hat den Bau der Autobahnen und Bundesstraßen mit der CDU beschlossen.

= Nun haben auch die Farben ihre Unschuld verloren. Die Berliner Senatsverwaltung für Justiz gibt ihren Mitarbeitern einen Sprachleitfaden an die Hand: Man soll nicht mehr „schwarz fahren“ sagen, sondern „fahren ohne gültigen Fahrschein“; auch das Wort „anschwärzen“ steht unter Diskriminierungsverdacht; das Wort „Ausländer“ ist zu ersetzen durch“Einwohnende ohne deutsche Staatsbürgerschaft“ und „geistige Behinderung“ durch „Menschen mit Lernschwierigkeiten“ und „Geschlechtsumwandlung“ durch „Geschlechtsangleichung“. Noch nicht aufgegriffen hat der Senat Begriffe wie „gelb vor Neid“ (können nur Chinesen mit gemeint sein) oder „weiß wie Schnee“ (bestätigt die Überlegenheit der weißen Rasse). usw.

= Deutsche Arbeitnehmer verfügen incl. Feiertage über mehr als 50 bezahlte freie Tage. Jetzt wird von den bekannten Herrschaften die 4-Tage-Woche und die 30-Stundenwoche gefordert. Hinzu kommt das von der SPD geforderte gesetzliche Recht auf Home-Office und das Recht von jungen Vätern und Mütter auf Teilzeit.

Diese Forderungen machen Sinn: Wenn die betroffene Firma pleite geht oder ihren Firmensitz nach Rumänien oder Korea verlegt, dann haben die Mitarbeiter unendlich viel Freizeit.

= „Warum eine Aufhebung des Zölibats kein Traditionsbruch ist“ – Hubert Wolf, Professor für Kirchengeschichte, schreibt dazu in der FAZ:

  • Die Vorstellung von der kultischen Reinheit des Priesters stammt ursprünglich nicht aus der christlichen Botschaft, sondern aus der jüdischen und heidnischen Antike und ist heute nicht mehr zeitgemäß.
  • Jesus war kein Stoiker. Das Ideal des asketischen Priesters geht auf antike Vorstellungen von einem idealen philosophischen Leben zurück und kann sich nicht auf das Vorbild Jesu berufen.
  • Die Ehelosigkeit sollte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sicherstellen, daß Geistliche die ihnen anvertrauten KIrchengüter nicht an ihre Kinder vererben konnten. Seit der Gregorianischen Reform wurde die Sicherung kirchlichen Besitzes zum entscheidenden Argument für den priesterlichen Zölibat.
  • Weil andere Begründungen nicht mehr zogen, überhöhten Paul VI. und seine Nachfolger den Zölibat spirituell. Im 20. Jahrhundertwurde der priesterliche Zölibat immer mehr zum besonderen Charisma verklärt und spiritualisiert. Er erhielt eine spezielle christologische, ekklesiologische und eschatologische Würde, die den zölibateren über den normalen Christenmenschen erhebt.
  • Der Papst und die Bischöfe vollzögen keinen Paradigmenwechsel und keinen Bruch mit der kirchlichen Tradition, wenn sie sich für die Weihe verheirateter Männer zu Priestern aussprechen, sondern ihr Handeln wäre von der Geschichte der Kirche gedeckt.
 

Sogyal Rinpoche:

„Spirituelle Wahrheit ist nichts Kompliziertes oder Esoterisches, sie ist einfach tiefgründiger, gesunder Menschenverstand. Wenn wir die Natur des Geistes erkennen, fallen die Schichten der Verwirrung ab. Wir „werden“ nicht zu einem Buddha, sondern hören einfach allmählich auf, verblendet zu sein. Ein Buddha zu sein bedeutet nicht etwa, sich in eine Art allmächtigen, spirituellen Supermann zu verwandeln, sondern – endlich – ein wahrer Mensch zu sein.“

 

Ein Weg zum inneren Frieden

Nach innerem Frieden zu suchen gehört zu den ältesten Bestrebungen der Menschheit. Das Auf-der-Suche-Sein nach Gelassenheit und Unabhängigkeit – ein Phänomen, daß vielleicht unweigerlich mit Bewußtsein einhergeht – hat die überragenden Denker der gesamten Menschheitsgeschichte beschäftigt. Derart real und vordringlich stand offenbar den frühen Denkern ihr Bedürfnis nach innerem Frieden vor Augen, daß sich in den Gesellschaften des Altertums Lehren über geistige Freiheit und entsprechende Techniken zugleich mit den materiell nutzbaren Technologien entwickelt haben.

Das „Wenzi“, ein uraltes chinesisches Buch, beschreibt den Ursprung und die Entwicklung der komplizierter werdenden menschlichen Psyche in verschiedenen Abstufungen. Zunächst war es noch nicht zum Verlust der reinen Einfachheit gekommen; daher waren alle Wesen sehr entspannt. „Als die Gesellschaft aus diesem ursprünglichen Zustand herausfiel „gab es das Erwachen eines von Absichten geleiteten Bestrebens. Die Menschen befanden sich auf der Schwelle zwischen dem Verlust ihres unschuldigen Geistes und einem bewußten Verständnis des Universums.“ Schließlich hatten sich alle Menschen aufgerichtet, und denkend hielten sie der Belastung durch visuelle und akustische Sinneseindrücke stand.“ Letzten Endes „entwickelten sie sich dahingehend, daß sie an den Dingen Geschmack fanden und ihr Begehren auf diese richteten und ihr Erkenntnisvermögen wurde von Äußerlichkeiten in die Irre geführt.“ Diese über die Menschheit gekommenen geistigen Gebrechen hörten in der Folgezeit nicht auf, Angst, Zwistigkeiten, unrechtmäßige Übergriffe und alles andere hervorzubringen, was wir als verderblich und nicht wünschenswert ansehen.

Über Jahrhunderte, ja Jahrtausende hinweg sind unzählige Wege zum inneren Frieden ausprobiert, aufgegriffen, adaptiert und fallengelassen und dann auch schriftlich festgehalten worden.

Ein besonders hoch angesehener Text heißt „Dhammapada“ (Der Wahrheitspfad oder Darlegung der Grundwahrheit). Es ist eine populäre Sammlung von Äußerungen über den Weg zum inneren Frieden; sie sind den Lehrreden des Gautama Buddha entnommen, der etwa 500 Jahre vor Christus lebte. Von Gautama heißt es, er habe vollkommene Geistesruhe erreicht. Er soll 49 Jahre darauf verwandt haben, von Ort zu Ort zu wandern, um anderen zu vermitteln, wie sie ebenfalls zu Gelassenheit und Unabhängigkeit gelangen können.

Buddhas Unterweisungen handeln n i c h t von Ritual oder Dogma, da er ja in Abrede stellte, daß diese zu Freiheit und Erleuchtung führen könnten. Buddha teilt auch n i c h t die Vorliebe der alteingesessenen Priesterschaft für die Pflege kultischen Zeremoniells; er verzichtete auf die verschlüsselten Sprachcodes der brahmanischen Priester und sprach mit Menschen aus allen Lebensbereichen in ihrer eigenen, regional gefärbten Sprache.

„Nie im Leben erlöschen Hassgefühle dadurch, daß man Hass empfindet; vielmehr tun sie dies dadurch, daß man keinen Hass empfindet; das ist eine unabänderliche Wahrheit.“ Ein Sprichwort im Zen-Buddhismus besagt: „Gedanken hervorrufen ist ein Gebrechen; sie nicht aufzugreifen das Heilmittel.“

Buddhisten sehen es als unverrückbares Seinsgesetz an, daß wir – auf individueller und kollektiver Ebene – die Resultate unserer Handlungen erfahren; buddhistische Begriffe von Moral und Verantwortung beruhen auf diesem Kausalsatz.

Zitate aus Dhammapada:

„Schaue nicht auf die Fehler von anderen oder auf das, was andere getan oder nicht getan haben; gib Obacht auf das, was du selbst getan oder nicht getan hast.“

„Ein Narr, der sich seines Unverstands bewusst ist, ist durchaus weise; der Narr, der sich selbst für weise hält, ist derjenige, den man als Narren bezeichnen muss.“

„Ein Mensch, der wenig gelernt hat, altert wie ein Ochse; seines Leibesfülle nimmt zu, seine Einsicht dagegen nicht.“

„Sei deiner selbst gewahr und erkenne dich selbst; falls du nicht über dich Bescheid weißt, kannst du auch sonst nichts wissen.“

„Autoritäres Gehabe und Buddhismus sind unvereinbar: Die Idee, Buddhismus sei autoritär, die sogar von manchen seiner Anhänger, insbesondere im Westen, vertreten wird, beruht auf falschen Vorstellungen von Buddhismus.“

„Wer Vollendung erlangt hat, ist frei von Furcht, Leidenschaft oder Anhaften; er hat die Schranken des Daseins durchbrochen und ist frei von dem Zwang „jemand sein“ zu müssen; er hat den vollkommenen inneren Frieden erlangt.“

Fortsetzung folgt.

 

Primitive Verleumdung

Der Star-Journalist Feldenkirchen im SPIEGEL über Angela Merkel:

„Viel wahrscheinlicher ist, dass sie als Frau in die Geschichtsbücher eingehen wird, die das deutsche Parteiensystem auf dem Gewissen hat.

Merkel hat die CDU bewusst weit nach links gerückt, um die SPD derart zu schrumpfen, dass sie als einzige Konkurrentin um die Macht ausfällt. Dass die Union damit den rechten Rand preisgegeben hat und so den Aufstieg einer neuen, rechten Partei ermöglichte, hat Merkel in Kauf genommen.

Merkels Politik zeugt von einer Sorg- und Achtlosigkeit gegenüber der politischen Stabilität im Lande, deren Folgen sich nun zeigen.

Nach 18 Jahren Angela Merkel als Vorsitzende der CDU und nach 13 Jahren als Bundeskanzlerin ist die politische Landschaft so zerzaust und durcheinandergewirbelt wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.“

 

Fremde Heimat – Fernes Land

Vor 200 Jahren gründeten Auswanderer aus Württemberg ein Dorf im Kaukasus. Jetzt entdeckt der Ort seine Vergangenheit.

Dieses Licht! Sanft und doch strahlend, so frisch und klar, man meint es riechen zu können. Jetzt dort hinten mit dem Pferd über die grasbewachsene Eben galoppieren, auf das Gebirge zu, auf die schneebedeckten Gipfel des Kleinen Kaukasus. Schwer zu begreifen: Diese Weiten, sattgrün im Frühling, sonnenverbrannt im Herbst, das war ihre Heimat. Die der Auswanderer aus Württemberg, aus Reutlingen, Betzingen, Altbach, insgesamt 140 Familien, die vor zwei Jahrhunderten dieses Dorf hier gegründet haben, nach einer gefahrvollen und verlustreichen Reise von anderthalb Jahren: Helenendorf.

Sie hatten einem Land den Rücken gekehrt, das unerträglich geworden war. Württemberg war ausgeblutet durch zwei Jahrzehnte napoleonische Kriege, regiert von einem König, dem die hungernden Bauern erklärtermaßen wurscht waren und der das Land auspresste, um in Stuttgart und Ludwigsburg seinen prächtigen Hofstaat zu unterhalten. Dazu kam eine fürcherliche Serie von Missernten – mit dem Höhepunkt 1816, dem „Jahr ohne Sommer“. Die Obstbäume fruchteten nicht, das Getreide verfaulte auf den Feldern; der Zehnt aus der Weinernte, der an die Oberfinanzkammer gemeldet wurde, fiel von 16.842 Eimern im Jahr 1811 auf 654 Eimer 1816. Für viele war der Glaube die einzige Zuflucht; der Pietismus und die Hoffnung auf eine baldige Wiederkehr Christi entwickelten sich zu einflussreichen Strömungen.

Da kam das Angebot des russsichen Zaren Alexander I. (der ein halber Schwabe war, denn seine Mutter war Württembergerin) wie gerufen: Er bot Auswanderwilligen eine neue Heimat im Kaukasus, mit Religionsfreiheit und ohne Militärpflicht. Wer dabei sein wollte, musste allerdings Handwerker oder Weinbauer sein und ein beträchtliches Barvermögen von 300 Gulden vorweisen. Es war klassischer Mittelstand, der da sein Land verließ.

So entstand diese deutsche Dorf, weitab im Orient. „Romantisch und lieblich am Nordhang des Kleinen Kaukasus gelegen“, so eine Reisebericht von 1910, „erblüht im fernen Asien zwischen wilden Völkern ein deutsches Gemeinwesen.“ Der Autor lobt die „Arbeitsamkeit und Redlichkeit“ der Siedler, die sich „eine feste Anhänglichkeit an das Heimatland ihrer Voreltern bewahrt“ hätten. Nach extrem schwieriger Anfangszeit war Helenendorf zu einer prächtigen Gemeinde herangewachsen. Die Wagenbaufirma Votteler verkaufte weithin ihre vierrädrigen Pferdewagen, die Vohrers und die Hummels verkauften ihren Wein; es gab Kirche und Schule, Sinfonie- und Blasorchester, alle denkbaren Handwerke und die erfolgreiche Winzergenossenschaft Konkordia, die in vielen Städten Niederlassungen unterhielt.

Wie fern das alles ist! Das Land heißt heute Aserbaidschan, und Helendorf heißt Göygöl.

Margarete Reitenbach wurde 1933 in Helenendorf geboren; ihr Vater wurde 1937 als angeblicher Spion verhaftet und erschossen. 1941 wurde Helene mit ihrer Familie wie alle Deutschen in die kasachische Steppe deportiert, wo es in den ersten Monaten ums nackte Überleben ging; jahrzehntelang lebte sie dann im sowjetischen Kassachstan, bis sie Anfang der Neunziger nach Deutschland übersiedeln durfte. Jeder hier hat solche Geschichten von Vater, Onkel, Großvater, deportiert, verhaftet, erschossen; oft existieren nicht einmal Unterlagen über die genauen Todesumstände, geschweige denn, das man einen Ort zum Trauern hätte.

Darauf angesprochen, erzählt Margarete Reitenbach von ihrem Enkel, der in der Schule gefragt wurde, wie viele Sprachen er spreche. „Drei“, war die Antwort, „Deutsch, Russisch und Wogehtschtna.“ – „Was ist das?“ – „So spricht d´Oma.“ Die wahre Heimat ist manchmal eben doch die Sprache. (Aus der FAZ – Autor Martin Rasper)